Bad Zwischenahn/Stöckse - Es gibt sie noch, einzigartige Spuren des Ammerlandes aus den 1960er Jahren. Nicht nur vor Ort, sondern auf dem Kuhlmann-Hof in der 1400-Einwohner-Gemeinde Stöckse im Landkreis Nienburg. Dort befindet sich Deutschlands einzige noch weitgehend erhaltene und umfangreich restaurierte Kartoffeldämpfanlage. Gebaut wurde sie 1962 von der – heute nicht mehr bestehenden – Maschinenfabrik Bernhard Bruns in Bad Zwischenahn.
Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens besuchte der Niedersächsische Ministerpräsident David McAllister am Tag des offenen Denkmals die Dämpfanlage, die nach Erkenntnissen der Denkmalbehörden die letzte ihrer Art in ganz Deutschland ist. Von Dr. Holger Spreen, dem Enkel des Erbauers und zugleich Büroleiter des Ministerpräsidenten, ließ dieser sich die Arbeitsweise der Anlage erläutern und erfuhr auf diese Weise mehr über Ammerländer Ingenieurskunst aus einer längst vergangenen Zeit.
In den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts war es üblich, Stärkekartoffeln für die Schweinemast in großen Behältern zu dämpfen, also zu garen, so dass in vielen Orten Niedersachsens ortsfeste Dämpfanlagen errichtet wurden. Die rund 13 Meter hohen Anlagen verfügten dazu über vier große Stahlbehälter mit je 1,5 Tonnen Fassungsvermögen. Den nötigen Dampf lieferte ein sechs Meter langer, mit Öl befeuerter Druckkessel von 1,4 Metern Durchmesser. Mit zunehmendem Wandel in der Landwirtschaft hin zu immer größeren Ställen verloren Dämpfanlagen mehr und mehr an Bedeutung. Die meisten wurden wieder abgerissen, viele verfielen. Die Stöckser Anlage war als eine der letzten bis 1996 in Betrieb, da der Betreiber, der Landwirt Heinrich Kuhlmann, anfallende Reparaturen weitgehend selbst erledigen konnte. Sein Neffe, Dr. Holger Spreen, hat sie 2009 dann mit Unterstützung verschiedener Kulturförderer umfassend restaurieren können. Als anerkanntes Kulturdenkmal steht sie seitdem interessierten Besuchern offen – auch aus dem Ammerland. Und einer hat sich bereits informiert: Der Ammerländer Landtagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Jens Nacke.
