Wittenberg/Berlin/Lund - Ein historisches Papstgebet mit Protestanten in Schweden, ein Gottesdienst im Geist der Ökumene und ein Festakt in Berlin: Der Auftakt zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation hat Hoffnungen auf ein neues Miteinader von katholischen und evangelischen Christen in aller Welt aufkeimen lassen.
„Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde“, sagte Papst Franziskus am Montag im südschwedischen Lund, wo 1947 der Lutherische Weltbund gegründet wurde. Am Montag stand er dort erstmals mit lutherischen Geistlichen am Altar und feierte das Gedenken an die Reformation. „Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen.“ Die Spaltung der Kirche sei weniger vom „Gottesvolk“ als von „Vertretern weltlicher Macht“ aufrechterhalten worden.
Auch in Deutschland, dem Geburtsland der Reformation, wurde die Sehnsucht nach einer weiteren Annäherung der Christen laut. Von den Feiern solle ein Signal des Aufbruchs und der Versöhnung ausgehen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in der Berliner Marienkirche. Erstmals werde der Reformationstag in ökumenischer Gemeinschaft begangen.
Bis zum 31. Oktober 2017 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland mit Hunderten von Veranstaltungen an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Reformation, die zur Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche führte. Auch in der Lutherstadt Wittenberg feierten am Montag Tausende Menschen das Reformationsfest.
Bundespräsident Joachim Gauck nannte die Reformation einen Grundstein für das Gemeinwesen in Deutschland. Ohne die „Initialzündung“ der Reformation gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveräußerlichen Grundrechte, sagte Gauck im Berliner Konzerthaus.
