Wiefelstede/Skopje - Zurzeit nimmt man Mazedonien in den Medien meist in Zusammenhang mit den Flüchtlingsströmen wahr, die auch durch Mazedonien reisen. Ich selbst bin an der Grenze zu Griechenland gewesen und habe dort nicht viel mitbekommen, da die Flüchtlinge auf dem Gebiet zwischen Mazedonien und Griechenland in einem so genannten „Transitzentrum“ unterkommen und dort auch von den Unmengen von Reportern abgeschirmt sind. Zum Glück konnte ich mit dem Mitarbeiter des Roten Kreuz in Mazedonien, Stefan Markovski, sprechen, der mir die Lage an der Grenze zu Griechenland und im Transitzentrum besser schildern konnte.

Im Moment können nur Flüchtlinge aus drei Ländern die Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien legal überqueren: aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Sie dürfen sich im Transitzentrum, das zwischen der griechischen und mazedonischen Grenze liegt, erholen und auch einige Tage dort schlafen. Dort können bis zu 3000 Menschen Essen und medizinische Versorgung erhalten. Aber die meisten reisen direkt am selben Tag mit dem von der Regierung arrangierten Zug weiter. Für diesen Zweck wurde neben dem Transitzentrum (das bewusst nicht Flüchtlingscamp genannt werden darf), ein improvisierter Bahnhof eingerichtet, der die Flüchtlinge bis zu sechs Mal am Tag direkt weiter an die serbische Grenze bringt. Trotzdem müssen sie 25 Euro für das Zugticket bezahlen.

Stefan Markovski erzählt, dass die Lage im Transitzentrum sehr ruhig und friedlich ist und es nur sehr selten zu Ausschreitungen oder Streitigkeiten zwischen den Flüchtlingen kommt. Die meisten der Flüchtlinge seien gut gebildet und hatten in ihrer Heimat eine gute Arbeit, Haus und Wohlstand, mussten aber fliehen, weil die Lage nicht mehr aushaltbar ist und sie um ihr Leben fürchten. Geschätzte 75 bis 80 Prozent der Flüchtlinge seien Männer in ihren 20ern.

Trotz der Kälte, die auf dem Balkan auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sehr stark zu spüren ist, kommen kaum weniger Flüchtlinge als im Sommer. Seit Anfang 2015 haben bereits mehr als eine Million Flüchtlinge das Transitzentrum passiert.

Leider wird es nicht allen Flüchtlingen so leicht gemacht, da nur Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak durchreisen dürfen. Etwa die Hälfte aller Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze kommt nicht aus diesen drei Ländern und sie dürfen weder die Grenze passieren noch in dem Zentrum unterkommen. So kommt es täglich zu starken Protesten und Auseinandersetzungen mit der Grenzpolizei, da die Menschen aus Pakistan, Tunesien, Nepal und anderen Ländern keine Chance haben, weiter zu reisen und auch keine finanziellen Mittel haben, um zurück in ihr Land zu gehen. Einige von ihnen haben sich als Zeichen des Protests die Münder zugenäht und hier große Aufmerksamkeit von den Medien erhalten. Auch hier sind Hilfsorganisationen vor Ort, die die Menschen mit Essen und Decken versorgen. Trotzdem werden die meisten von ihnen von der griechischen Polizei zurück nach Athen gebracht und von dort aus in die Türkei.

Mazedonien hatte bereits 1999 bis 2001 rund eine halbe Millionen Flüchtlinge aus dem Kosovo aufgenommen und ist auf Grund seiner geographischen Lage und dem geschichtlichen Hintergrund ein sehr gastfreundliches und hilfsbereites Land.