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Ausblick 2011 kocht Schwandner nicht chinesisch

J. Rittner S. Schicke

JANUAR

         Das neue Jahr fängt für Oberbürgermeister Gerd Schwandner mit einer bösen Überraschung an. Auf dem Flughafen Shanghai wird ihm die Einreise verweigert. Grund: Den Chinesen gefällt die Menschenrechtsresolution der Stadt Oldenburg nicht. Schwandners Beteuerungen, der Rat hätte das einfach gegen seinen Willen entschieden, helfen auch nicht. „Bist Du Bülgelmeistel, odel nicht?“, übersetzt ein Dolmetscher den diensthabenden Grenzoffizier.

Der Winter wird im neuen Jahr noch heftiger, als er im Dezember begann. Bis zum 25. Januar schneit es täglich. Die Stadt ändert ihre Satzung, verpflichtet die Bürger, nun auch Straßen zu räumen. Die nun überzähligen Mitarbeiter des AWB werden zur Unterstützung der Schnee-Politessen abkommandiert. „Wer nicht räumt, muss zahlen. So sanieren wir unseren Haushalt“, freut sich Stadtsprecher Andreas van Hooven.

FEBRUAR

Beim Kohlessen in Berlin ist wieder eine Südafrika-Delegation dabei. Und nachdem Noch-König Theodor zu Guttenberg dem Botschafter von Schwandners Ärger in China berichtet, schlägt seine Exzellenz Sonwabo Eddie Funde offiziell vor, die China-Initiative durch eine Südafrika-Initiative zu ersetzen.

Nach der Rückkehr aus Berlin fängt Schwandner an, heimlich Afrikaans und Xhosa zu lernen. Besonders die Xhosa-Klicklaute übt er täglich. Es klingt, als ob ein Sektkorken knallt. Tagelang hört man dieses Geräusch aus seinem Büro. Als die Rathaus-Entourage von Schwandner erfährt, dass er nur für seinen Antrittsbesuch in Südafrika übt, ist man beruhigt.

Mit Silke Meyn verlässt die letzte amtierende Dezernentin Oldenburg. Im schweizerischen Zug tritt sie eine neue Stelle an. „Ich bin da zwar Gastarbeiterin, aber dafür muss ich nicht den ganzen Tag Schulden verwalten“, begründet sie. Schwandner übernimmt damit auch die Kämmerei, „bis wir eine geeignete Finanzexpertin mit internationaler Erfahrung, Migrationshintergrund und Professorentitel gefunden haben“.

Eine Woche später der nächste Rückschlag: Auch der Chef der Rathaus-Kantine geht. OB: „Dann koche ich eben selbst.“ Allerdings nur, bis sich eine studierte Köchin mit Auslandserfahrung findet.

MÄRZ

Immer noch jede Menge Schnee in Oldenburg und im Nordwesten. Autobahnbauamts-Chef Joachim Delfs lässt Anfang März die A28 sperren. „Wir können da einfach nicht mehr gegen anstreuen.“ Damit die Verbindungen nach Groningen nicht abbrechen, wird der grenzüberschreitende „Anton-Günther-Wanderweg“ auf der Autobahn angelegt. Wer fit ist, schafft die Strecke auf Langlaufskiern in 4,15 Stunden.

Wegen des Wetters verzichten die Karnevalisten auf ihren traditionellen Umzug. Man trifft sich gleich im Büro der SPD, wo Ratsfrau Jutta Bohne sich freiwillig zum Schmieren der Schmalzbrote gemeldet hat.

Allen Bürgern, die sich beim Fachdienst wegen eines Schneeknöllchens beschweren, wird gesagt, sie könnten ja auswandern in ein Land, wo sie keine Regeln einhalten müssten. Seither weigern sich Hunderte Hausbesitzer in der Stadt, ihre (erhöhten) Grundsteuern zu bezahlen, weil sie der Meinung sind, Mitarbeiter einer Verwaltung würden ja schließlich von Steuern bezahlt und müssten daher zumindest höflich sein.

APRIL

Grünen-Ratsherr Sebastian Beer verlässt verzweifelt seine Fraktion. Grund für den Rückzug ist ein massiver Konflikt mit seiner Parteifreundin Anne Lück. Einst hatten beide Seite an Seite gegen das ECE gekämpft. Doch als Lück Beer beobachtete, wie er mit drei Plastikeinkaufstüten aus dem neu eröffneten Einkaufszentrum kam, war es mit der Freundschaft vorbei.

Mit der Neuwahl eines Vorstandes musste die SPD bis zum regulären April-Parteitag warten, weil wegen der vielen Rücktritte keine Mehrheit für einen Sonderparteitag zustande kam. Auf dem Parteitag kandidiert Gesine Multhaupt als einziges nicht zurückgetretenes Vorstandsmitglied erneut für den Parteivorsitz. Weil aber auch fast alle Delegierten zurückgetreten sind, fällt die Wahl aus. Multhaupt bleibt geschäftsführend im Amt – mit der Begründung, das hätten andere große Politiker auch so gemacht.

MAI

Der Oberbürgermeister fliegt aber erst mal – wie geplant – „zum Kontakten“ nach Südafrika. In Kwazulu-Natal ernennt man ihn überraschend zum Professor für Völkerverständigung. Nach seiner Rückkehr beerdigt der OB die China-Initiative endgültig und verkündet: „Südafrika ist das kommende Land.“ Bei Grünen und Linken zerbricht man sich bereits die Köpfe, mit was für einer Resolution man Schwandner in Südafrika diskreditieren könnte.

Eigentlich sollte Ende Mai das Flussbad wieder öffnen. Doch auch, wenn inzwischen der Schnee getaut ist und das Thermometer 28 Grad zeigt, lässt Bäderchef Matti das Freibad in diesem Jahr komplett zu. „Bei diesen Wetterkapriolen muss man immer damit rechnen, dass es wieder saukalt wird.“

JUNI

Oldenburg hat wieder einen Baudezernenten. Er heißt Frank-Egon Pantel. Nachdem sich kein geeigneter Bewerber in den Vorstellungsrunden durchsetzen konnte, schickt ihn die Arbeitsagentur im Rahmen einer Wiedereingliederungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose. Der amtierende Kämmerer Schwandner: „So sparen wir das Gehalt, und ich habe ein Dezernat weniger an den Hacken.“

JULI

Endlich Sommer mit strahlender Sonne. Halb Oldenburg schwitzt, die andere Hälfte tummelt sich an den Badeseen. Das Olantis-Flussbad kündigt entgegen allen Erwartungen an, nun doch zu öffnen. Doch einen Tag bevor es aufmachen will, stellt das Gesundheitsamt eine zu hohe Keimbelastung in der Mühlenhunte fest.

AUGUST

Beim Sommerschlussverkauf werden auch die Grünen-Ratsmitglieder Kurt Bernhardt und Rita Schilling vorm ECE von Anne Lück ertappt. Doch diesmal kommt es nicht zum Eklat. Bernhardt öffnet seine Jutetasche und rechtfertigt sich damit, dass im Einkaufszentrum nun auch ein Eine-Welt-Laden vertreten sei. Nun will auch Anne Lück mal in die Schlosshöfe schauen.

SEPTEMBER

Bei der Kommunalwahl gewinnt die SPD dazu – und gerät darüber schier in Verzweiflung. Gemeinsam mit Grünen und Linken hätte sie jetzt die Mehrheit, ihre alte Ankündigung umzusetzen und die Abwahl von OB Schwandner einzuleiten. Doch sie traut sich nicht, weil sich die Exponenten der neuen Fraktion und die geschäftsführende Parteivorsitzende Multhaupt nicht auf einen OB-Kandidaten einigen können. Das wiederum ärgert den just im Rat platzierten CDU-Chef Olaf Klaukien. Wenn die anderen Schwandner nicht abwählen, muss er selbst mit seiner OB-Kandidatur noch warten.

Das Filmfest mausert sich zur Traditionsveranstaltung. Wieder hat Brad Pitt in letzter Minute abgesagt. Als Ersatz hat der OB den „weltberühmten“ südafrikanischen Filmemacher Umbeki M`pwali verpflichtet. Im Altera wird der Filmfestburger durch Straußensteak ersetzt, und um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, werden ausdrücklich keine Schwarz-Weiß-Filme gezeigt.

Das Staatstheater zieht wieder in sein renoviertes Stammhaus. Für die Halle auf dem Fliegerhorst hat sich kein geeigneter Investor mehr gefunden. Pläne, dort eine Großdiskothek anzusiedeln, scheiterten am Veto der Grünen. Die fürchteten, dass der seltene Feldmarder durch Lasershows und die Autos der Besucher bei seiner nachtaktiven Fortpflanzung gestört werden könnte. Die Stadt entscheidet deshalb, in der Halle ein neues Salzlager einzurichten. „Dann sind wir für den nächsten Winter gut gerüstet“, sagt AWB-Sprecher Arno Traut.

OKTOBER

Kohlkönig Philipp Rösler kommt zum Kramermarkt. Als besonderes Zeichen seiner Verbundenheit mit den Oldenburgern schiebt der studierte Mediziner nach dem Eisbeinessen eine Schicht in der Notaufnahme des Pius-Hospitals. Jeder eingelieferte Betrunkene muss entsprechend seiner Promillezahl einen Anteil vom Monatsgehalt für einen guten Zweck spenden.

Dr. Friedrich Scheele schreibt einen Malwettbewerb aus. Auch wenn er sich Direktor der Museen, Sammlungen und Kunsthäuser in Oldenburg nennt, hat er die Landesmuseen noch nicht unter seinem aufpolierten Titel versammelt. Und zumindest ins Schloss dürfen Kinder nun gratis. Da will Scheele nicht zurückstehen und lädt alle Kunstklassen ein, ein Bild von ihm zu malen. Der Sieger bekommt eine Gratiseintrittskarte für eine Stunde in das Stadtmuseum.

NOVEMBER

Wir schreiben den 11. 11. Es ist wieder Karneval in Oldenburg. Zur neuen Prinzessin wird die ehemalige SPD-Ratsfrau Jutta Bohne ausgerufen. „Sie hat so gut Schmalzbrote geschmiert und nur ein Viertel davon selbst gegessen“, erklärt Präsident Geert Haase. Den ursprünglich vorgesehenen Auftritt als Funkenmariechen sagt Bohne ab. „Wenn ich tanze, dann nur meiner Partei auf dem Kopf herum.“

DEZEMBER

Es gibt ihn doch, den Klimawandel. Anfang Dezember werden in Oldenburg 19 Grad gemessen – plus, nicht minus – wie gefühlt zwölf Monate zuvor. Im Rathaus wird bereits diskutiert, die auf dem Fliegerhorst eingelagerten 1200 Tonnen Streusalz möglichst schnell zu verkaufen.

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