Friesland - Scharfe Kritik hat Axel Neugebauer von „Zukunft Varel“ am Beschluss geübt, dass die Kfz-Ausbildung von der Berufsbildenden Schule Varel an die Berufsbildenden Schulen Jever verlegt wird. „Die Ausbildungsbetriebe und die Azubis im Südkreis sind strikt dagegen“, sagte er am Mittwoch im Kreistag, der in Neuenburg tagte.
Er kritisierte zudem, dass die Kreistagsmitglieder nicht ausreichend über das Vorhaben informiert worden seien. Neugebauer zufolge werden die Kfz-Azubis aus dem Südkreis keineswegs den Weg nach Jever auf sich nehmen, sondern zu den Berufsschulen nach Oldenburg oder Wilhelmshaven abwandern. Er regte an, mit der Umsetzung zu warten, bis weitere Gespräche mit Ausbildungsbetrieben und Kreishandwerkerschaft stattgefunden haben. Diesem Vorschlag schloss sich die Gruppe Linke/Wähleraktion „Menschenmüll“ (MMW) an.
Wie berichtet, verfolgt der Landkreis das Ziel, den stetig weiter sinkenden Schülerzahlen durch Schwerpunktbildung an den beiden Berufsschulen zu begegnen. Während der Ausbildungsbereich Kfz in Jever konzentriert werden soll, werden die Elektrotechniker künftig in Varel unterrichtet.
„Die Schwerpunktsetzung ist unausweichlich“, betonte Landrat Sven Ambrosy mit Blick auf die demografische Entwicklung. Es gehe darum, die Kräfte zu bündeln, um die hohe Qualität der Ausbildung zu erhalten. Die Kritik könne er dennoch nachvollziehen: „Der Prozess tut weh.“ Ambrosy verwies darauf, dass er Gespräche mit allen Beteiligten geführt habe, „das Stimmungsbild ist nicht einheitlich“, sagte er.
Er wies allerdings auch darauf hin, dass die Berufsschule Jever im Kfz-Bereich so gut aufgestellt sei, dass von überallher Auszubildende extra dorthin kämen. „Man kann die Grenze zwischen Nord- und Südkreis unbeschadet überwinden“, betonte er: Der Weg von Nord nach Süd und von Süd nach Nord sei für alle gleich weit.
Für Diskussionen sorgte auch der Antrag der Gruppe SPD/Grüne, eine Resolution gegen das geplante Betreuungsgeld des Bundes zu verabschieden: Während die CDU den Antrag als „pures Wahlkampfgetöse“ abtat, sahen MMW, Bürger für Bürger, „Zukunft Varel“ und FDP durchaus kommunale Relevanz: Die Kommunen würden von Bund und Land nicht ausreichend bei der Finanzierung von Kinderbetreuung unterstützt. Gerhard Ratzel (FDP) regte an, eine Resolution für mehr Geld für Kinderbetreuung zu verabschieden. Das Thema wird im Fachausschuss weiter beraten.
