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NWZonline.de Nachrichten Politik

Als Brexit-Erklärer gefragt

07.05.2019

Bad Bederkesa David McAllister ist international gefragt als Brexit-Erklärer. Wann immer ein Analyst für die Pirouetten britischer EU-Ausstiegspolitik gesucht wird, ist der CDU-Mann aus Bad Bederkesa zur Stelle. „Auch aus dem englischsprachigen Ausland gibt es stets viele Medien-Anfragen“, sagt der Spitzenkandidat der niedersächsischen CDU für die Europawahl am 26. Mai. Er betont: „Dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, ist ein unschätzbarer Vorteil, den ich erst in Brüssel so richtig ausspielen konnte.“

In der Rolle des überzeugten Europäers fühlt sich der Deutsche mit den schottischen Wurzeln offensichtlich in seinem Element. Daraus macht er im Europawahlkampf keinen Hehl: „Meine politische Zukunft sehe ich in Brüssel und Straßburg.“

Dabei stand am Anfang seiner Europa-Karriere als Parlamentsdiplomat ein krachendes politisches Desaster als Ministerpräsident in Niedersachsen. Fassungslos hatte er dort 2013 bei der Landtagswahl erleben müssen, wie seine schwarz-gelbe Regierung wegen einiger Hundert fehlender Stimmen hauchdünn am Wahlsieg vorbeischrammte. Abgewählt musste sich der damalige CDU-Hoffnungsträger politisch neu erfinden. Berlin lockte, Brüssel wurde es. „Ich habe mich sehr bewusst für Brüssel entschieden, weil ich überzeugter Europäer bin“, erinnert der heute 48-Jährige sich.

McAllister büffelte Französisch-Vokabeln, saß ab 2015 als Abgeordneter im Europäischen Parlament, war oft als Berichterstatter auf dem Balkan. Er wurde Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und ist damit im Europaparlament quasi das Gesicht der deutschen Europapolitik. „Er hat sich gut eingearbeitet in seine neue Rolle und auch schnell seine eigene Handschrift gefunden“, sagt sein Vorgänger Elmar Brok (CDU). Er sieht McAllisters Zukunft durchaus auf der europäischen Ebene – auch wenn der beteuert, Niedersachsen bleibe seine Heimat. „In der Regel bin ich am Wochenende zu Hause“, sagt er.

Seine alten Weggefährten aus Niedersachsen bescheinigen ihm den gelungenen Wandel. „Er hat den Wechsel auf die europäische Bühne erfolgreich vollzogen“, meint der heutige FDP-Fraktionschef Stefan Birkner, der einst Minister in McAllisters schwarz-gelbem Kabinett war. Die Fraktionschefin der Grünen, Anja Piel, die während McAllisters Regierungszeit in der Opposition war, sieht das ähnlich: „Ich habe den Eindruck, er hat sich auf europäischer Ebene recht gut erfunden, auch mit niedersächsischen Themen.“

Von der CDU Niedersachsen wurde McAllister mit 99,2 Prozent der Stimmen als deren Spitzenkandidat für die Europawahl gewählt. Seitdem ist seine öffentliche Wahrnehmung in seiner Heimat deutlich gestiegen. „Ich bin kreuz und quer durch Niedersachsen unterwegs und sehr angetan vom hohen Interesse an dieser Wahl – Brexit war da wohl der Weckruf“, sagt er. Landauf, landab warnt er nicht nur mit Blick auf den Brexit vor Demagogen und populistischen Kräften, er wirbt auch für eine Stärkung der Europäischen Union.

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