Bad Essen/Friesland/Berlin - Das Land Berlin hat acht Kinder aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria aufgenommen. Die afghanischen Jungen im Alter zwischen acht und 14 Jahren seien am Montag aus einer Einrichtung im niedersächsischen Bad Essen bei Osnabrück abgeholt worden, teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Dienstag mit. 13 weitere Kinder bleiben in Niedersachsen, darunter künftig auch im Landkreis Friesland.

Dort waren sie mit 39 weiteren Flüchtlingskindern für zwei Wochen in Corona-Quarantäne und wurden sozialpädagogisch betreut. Alle 47 Minderjährigen, darunter drei Mädchen, waren Mitte April von der Bundesregierung von Griechenland nach Deutschland ausgeflogen worden. Sie stammen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea.

Die acht Jungen werden nun in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Berlin betreut. Weitere acht Kinder werden innerhalb dieser Woche nach Hamburg reisen, 13 bleiben in Niedersachsen. Fünf von diesen werden künftig in Hannover und der Region Hannover leben. Die übrigen kommen in die Städte Braunschweig, Lüneburg und Osnabrück sowie den Landkreis Friesland. 18 Minderjährige haben demzufolge Verwandte in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt.

„Diese Hilfsaktion darf nur der Anfang sein“, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Berlin ist bereit, sofort deutlich mehr Kinder aufzunehmen.“ Insbesondere für Kinder und Jugendliche sei die Situation in den griechischen Flüchtlingslagern „entsetzlich und traumatisierend“.

Auch Niedersachsen Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte den Bund aufgefordert, dafür zu sorgen, „gemeinsam mit anderen EU-Staaten schnell weitere Kinder aus dem Elend in Griechenland zu holen“. Der Minister hatte seit seinem Besuch im Lager Moria auf Lesbos im Oktober 2019 immer wieder darauf gedrängt, wenigstens die unbegleiteten Minderjährigen auf andere europäische Staaten zu verteilten.

Zehn EU-Mitgliedstaaten hatten vereinbart, insgesamt 1.600 besonders schutzbedürftige unbegleitete Kinder aus den Lagern herauszuholen. Wegen der Corona-Pandemie verzögert sich in einigen europäischen Staaten aber die Aufnahme.

Unterdessen hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die überfüllten Flüchtlingslager in Griechenland als Schande für Europa bezeichnet. Er habe das Lager Moria auf der Insel Lesbos besucht und selbst gesehen, „wie 20.000 Menschen zusammengepfercht in einem Lager leben, das für 3.000 geplant war, sagte der Minister der “Rheinischen Post„ (Dienstag). Nötig seien kleinere Einheiten mit menschenwürdigen Bedingungen nach UN-Standards. “Mit der Evakuierung der Kinder ist das Problem ja nicht gelöst.“