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Stillstand von 3 bis 11 Uhr Was der Bahnstreik für Reisende bedeutet

Christian Schwarz
Christian Schwarz Fabian Nitschmann Matthias Arnold
Pendler und Reisende müssen sich heute erneut auf weitreichende Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn und anderer Verkehrsunternehmen einstellen. Auch in Oldenburg standen die Räder still.

Pendler und Reisende müssen sich heute erneut auf weitreichende Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn und anderer Verkehrsunternehmen einstellen. Auch in Oldenburg standen die Räder still.

Stüber

Berlin - Nach einem großen Warnstreik im öffentlichen Verkehr Ende März blieb es für Bahnreisende zuletzt weitgehend ruhig – an diesem Freitag stehen erneut erhebliche Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr an. Seit 3.00 Uhr sind Beschäftigte von rund 50 Bahnunternehmen im Arbeitskampf, wie ein Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG in den frühen Morgenstunden bestätigte.

Auch an manchen Flughäfen werden die seit Donnerstag laufenden Warnstreiks fortgesetzt. Insgesamt ist der Umfang der Aktionen jedoch deutlich geringer als zuletzt. Worauf sich Reisende am Freitag einstellen müssen:

Wer streikt wann und wo?

Die EVG hat im Tarifstreit mit rund 50 Eisenbahnunternehmen für diesen Freitag zu bundesweiten Warnstreiks im Fern- und Regionalverkehr aufgerufen. Die Beschäftigten sollen zwischen 3 Uhr morgens und 11 Uhr am Vormittag die Arbeit niederlegen. Betroffen sind Fern-, Regional-, und S-Bahn-Züge im ganzen Land. Die Schwestergewerkschaft Verdi wiederum hatte bereits für Donnerstag an den Flughäfen Köln/Bonn, Düsseldorf, Hamburg Warnstreiks angekündigt. Am Freitag werden die Aktionen dort fortgesetzt und auf Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden ausgeweitet. Aufgerufen sind die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle, der Personal- und Warenkontrolle und in Servicebereichen. Zehntausende Fluggäste waren und sind betroffen.

Mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?

Die Auswirkungen auf der Schiene dürften wie bereits Ende März erheblich sein. Die Deutsche Bahn will den Fernverkehr am Vormittag vollständig einstellen. Ab 13 Uhr soll er zwar schrittweise wieder anlaufen. „Dennoch ist am Freitag bis in die frühen Abendstunden mit bundesweiten Auswirkungen des Streiks auf die ICE- und IC-Züge zu rechnen“, hieß es. „Alle, die umplanen können, sollten das tun“, sagte Konzernpersonalvorstand Martin Seiler kürzlich in Berlin. Im Regional- und S-Bahnverkehr wiederum sollen nach Ende des Ausstands „zeitnah wieder so viele Verbindungen wie möglich nach dem regulären Fahrplan angeboten werden“. Allerdings sei auch hier im Laufe des Nachmittags mit weiteren Einschränkungen zu rechnen.

Auch an den Flughäfen Köln/Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden müssen sich Fluggäste auf deutliche Behinderungen einstellen. An den beiden Warnstreiktagen seien insgesamt rund 100.000 Fluggäste betroffen, teilte der Flughafenverband ADV mit. Allein am Donnerstag hätten rund 45.200 Passagiere umplanen müssen. Am Freitag wird der Ausstand auf Baden-Württemberg ausgeweitet. Der Hamburger Flughafen kündigte etwa an, dass wegen des Warnstreiks auch dann alle Abflüge gestrichen würden. In Stuttgart werden am Freitag längere Wartezeiten, Flugausfälle oder -streichungen erwartet.

Fahren Züge der Nordwestbahn?

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat für Freitag auch die Beschäftigten beim Bahnunternehmen Transdev zum Warnstreik aufgerufen. Zur Transdev-Gruppe gehört unter anderem die Nordwestbahn. Ob die Beschäftigten des Unternehmens die Arbeit niederlegen werden, ist noch unklar. Da auch Stellwerke von dem Warnstreik betroffen sind, ist mit weitreichenden Ausfällen zu rechnen. Die Nordwestbahn empfiehlt, sich vor Reiseantritt zu informieren, ob die Bahn auch fährt. Zurzeit ist die Internetseite allerdings nicht erreichbar. Auf Twitter informierte das Unternehmen noch bis kurz vor 6 Uhr über streikbedingte Ausfälle auf den Linien RS 1 (Bremen-Farge – Verden, jeweils beide Richtungen), RS 2 (Bremerhaven – Twistringen), RE 18 (Wilhelmshaven – Osnabrück) RB 58 (Bremen – Osnabrück) und RB 59 (Esens – WIlhelmshaven). Am Oldenburger Hauptbahnhof fuhr heute Morgen nicht ein Zug.

Kann ich meine Fahrt verschieben, ohne draufzuzahlen?

Ja, die Bahn hat wieder Kulanzregelungen zugesagt. So sollen alle Fahrgäste, die ihre für Freitag geplante Reise aufgrund des Warnstreiks verschieben wollen, ihr Ticket bis zum 25. April flexibel nutzen können. Voraussetzung ist, dass sie die Fahrt bis einschließlich 18. April gebucht haben.

Bahnen, Schiffe, Flugzeuge – wird wieder alles stillstehen?

Nein, einen so umfangreichen Warnstreik wie Ende März wird es dieses Mal nicht geben. Damals hatte die EVG gemeinsam mit Verdi mit einem 24-Stunden-Warnstreik den öffentlichen Verkehr in Deutschland weitgehend zum Erliegen gebracht. Neben der Schiene waren fast sämtliche deutsche Flughäfen außer Berlin betroffen ebenso der Schiffs- und Hafenverkehr. Nun ist der Warnstreik bei den Bahnen auf einige Stunden am Morgen und am Vormittag begrenzt. „Uns geht es auch nicht darum, Fahrgäste zu bestrafen“, sagte EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay. „Im Gegenteil: Uns geht es nur darum, den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen.“ Mit Düsseldorf trifft es wiederum zwar einen der größten deutschen Flughäfen. Andere wichtige Drehkreuze wie Frankfurt und München bleiben hingegen in Betrieb.

Die EVG betonte am Mittwoch, dass die parallelen Warnstreiks am Freitag nur Zufall seien. Eine Abstimmung zwischen den Gewerkschaften habe es dieses Mal nicht gegeben.

Muss ich mich auf weitere Warnstreiks einstellen?

Das ist durchaus wahrscheinlich. Die EVG verhandelt derzeit in zweiter Runde nach und nach mit rund 50 Eisenbahn-Unternehmen. Mit der Deutschen Bahn ist das nächste Treffen für den kommenden Dienstag angesetzt. Sollte es dabei keine Einigung geben, kommen beide Seiten voraussichtlich erst Ende Mai wieder zusammen. Solange dauert es, bis die EVG auch mit den anderen Unternehmen verhandelt hat. Die Gewerkschaft hat zuletzt deutlich gemacht, dass Warnstreiks während Verhandlungsrunden jederzeit denkbar seien.

Verdi wiederum verhandelt am kommenden Samstag mit Bund und Kommunen über einen Schlichtungsvorschlag im öffentlichen Dienst. Sollte es dabei ebenfalls zu keiner Einigung kommen, sind eine Urabstimmung und unbefristete Streiks denkbar.

Christian Schwarz
Christian Schwarz Online-Redaktion
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