Politische Instabilität prägt noch immer fast alle jungen Staaten auf dem Balkan. Nach der Auflösung Jugoslawiens brachen dort die lange mit Gewalt gezügelten nationalen Gegensätze aus. In den 90er Jahren waren es Konflikte zwischen Serben, Kroaten und Bosniern, die zu Blutvergießen führten. Die EU war damals nicht in der Lage, die Lage im Südosten Europas zu beruhigen. Erst die Amerikaner beendeten 1995 das Schlachten in Bosnien.
Ungelöst blieb hingegen bis heute die albanische Frage. Das Siedlungsgebiet des überwiegend islamischen Volkes liegt in den heutigen Staaten Albanien, Montenegro, Serbien und Mazedonien. Obwohl die Albaner seit 1912 einen eigenen Staat besitzen, leben nicht alle Albaner in seinen Grenzen. Daher gibt es unter den politischen Parteien der albanischen Volksgruppen auf dem Balkan starke nationalistische Tendenzen, die eine Angliederung dieser noch „unbefreiten“ Gebiete an den albanischen Kernstaat fordern. Neben dem Kosovo, einem von Serbien abgespaltenen Gebiet, das einen fragilen Separatstaat bildet, beanspruchen albanische Nationalisten heute weitere Gebiete in Serbien (Presevo-Tal), die mehrheitlich von Albanern bewohnten Gebiete Mazedoniens um Tetovo und das montenegrinische Gebiet rund um Ulcinj. Mit Unterstützung der Regierung in Tirana kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in diesen Regionen. Die Ambitionen des albanischen Nationalismus sind damit wesentlich für die aktuellen Spannungen auf dem Balkan verantwortlich. Auch Deutschland hängt mittendrin: Im Kosovo stehen Bundeswehrsoldaten.
