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NWZonline.de Nachrichten Politik

Von Wutausbruch zu Wahlkampf

09.05.2019

Barcelona Über Nacht ist Karl Jacobis Name in Spanien in aller Munde, nachdem der Deutsche im März 2018 den katalanischen Separatisten unverblümt die Leviten gelesen hat. „Seit 30 Jahren belügen Sie die Bevölkerung!“, geht der Unternehmer bei einem Treffen deutschsprachiger Führungskräfte in Barcelona den regionalen Parlamentspräsidenten Roger Torrent an. „Ich plädiere dafür, dass Sie alle ins Gefängnis wandern.“ Das Resultat: Jacobis Telefon steht nicht mehr still, Schaulustige pilgern zu seiner Villa, aber es gibt auch Hasskommentare, ja sogar Morddrohungen.

Ein gutes Jahr danach hat der gebürtige Kölner das Zepter selbst in die Hand genommen, um die Bürger „in die Normalität zurückzuführen“, wie er sagt. Der 71-Jährige will bei der Kommunalwahl am 26. Mai ins Rathaus von Barcelona einziehen. „Jacobi alcalde“ (Jacobi als Bürgermeister), prangt es auf Wahlplakaten und Flyern. Sein Programm umfasst die unterschiedlichsten Themen, vom Kampf gegen Korruption und Hausbesetzer über die Schaffung neuer Wohnungen bis hin zu Barcelona als digitaler Hauptstadt Europas – aber der zentrale Punkt ist unverkennbar einer: der Kampf gegen die Unabhängigkeitsgelüste der Regionalregierung.

In Köln geboren, wuchs der Unternehmersohn in Internaten in Bad Honnef und Aachen auf. Später studiert er an der Kölner Kunstakademie unter anderem Soziologie, Psychologie, Marketing sowie Grafikdesign. Er arbeitet in verschiedenen Teilen Deutschlands in der Radio- und Fernsehtechnik, in der Automechanik und in Werbeagenturen. „Aber eigentlich wollte ich schon immer ins Ausland“, erzählt er. Vor 37 Jahren setzt er den Traum in die Tat um. Seit 1982 lebt Jacobi in Barcelona, ist mit einer Spanierin verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter – und hat sich seine Begeisterung für die „kosmopolitische, kulturelle Metropole Spaniens oder sogar Europas“ bis heute bewahrt.

Dennoch, „seine“ Stadt habe ein Problem, sagt er. „Wenn man in die Tiefe geht, dann sieht man, dass Barcelona langsam stirbt.“ Der Separatismus schaffe seit Jahren ein negatives Klima, immer wieder gebe es Demonstrationen und aggressive Auseinandersetzungen. Mehr als 5000 Firmen seien im Zuge des verbotenen Unabhängigkeitsreferendums vom Oktober 2017 bereits fortgezogen, der Tourismus sei drastisch eingebrochen, die Kriminalitätsrate gestiegen. „Auch in den Familien herrscht Krieg, selbst in meiner eigenen. Bei Familientreffen darf nie über Politik geredet werden, sonst schlagen sich die Leute am Ende die Köpfe ein.“

Um den Wahlkampf zu finanzieren, hat Jacobi im Internet eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Aber er weiß, dass er höchstens Außenseiterchancen hat. Favoritin ist die linke Amtsinhaberin Ada Colau.

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