BARßEL - Wer bei Gaby Emken-Schmidt Rat sucht, befindet sich – nicht immer, aber meistens – in sogenannten anderen Umständen. Und das betrifft nicht nur die Zeit während der Schwangerschaft. „Die Frauen und Mädchen, die zu uns kommen, haben viele Fragen auf dem Herzen“, erzählt die studierte Diplom-Pädagogin und Schwangerschaftsberaterin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Cloppenburg. In der Barßeler Außenstelle mit Sitz im Gesundheitszentrum an der Lange Straße berät sie jeden Mittwochvormittag werdende Mütter, die – bei aller Vorfreude auf ihr Baby – in eine nicht immer sorgenfreie Zukunft blicken können.
Moralische Unterstützung
„Mit welchen Problemen sich diese Frauen an uns wenden, ist ganz unterschiedlich“, sagt Gaby Emken-Schmidt. Das umfasse kleinere und schnell zu klärende Fragen zu Mutterschutz, Eltern- und Arbeitslosengeld, kann aber auch die Bitte um tatkräftige und moralische Unterstützung beinhalten, wie im Fall einer minderjährigen Schwangeren, die nicht wusste, wie sie „es“ den Eltern beibringen sollte. „Wir gehen raus, begleiten die Frauen zu Terminen und Behörden, sofern es erforderlich ist.“ In einem Punkt gleichen sich die Frauen dann doch: Eine Abtreibung kommt für sie nicht in Frage. „Es sind Frauen, die sich für ihr Kind entschieden haben.“
Schwanger, allein und arbeitslos – Lebenssituationen von Ratsuchenden, wie sie die Beraterin schon einige Male kennengelernt hat. Zwar nicht die Regel, aber eben auch nicht die Ausnahme. Auf den werdenden Vater oder die festen Strukturen einer intakten Familie können sie sich dabei nicht verlassen. „Eine junge Mutter mit zwei kleinen Kinder äußerte den Wunsch, mal ungestört feiern zu gehen.“ Die Schwangerschaftsberaterin wusste die Lösung. „Ihr haben wir eine Familienpatin vermittelt, die für diese Zeit die Betreuung der Kinder übernommen hat.“
690 Frauen im letzten Jahr
Wer die Beratungsstelle aufsucht, muss nicht zwangsläufig schwanger sein. Das Angebot richtet sich auch an Mütter kleiner Kinder. Die Pädagogin hat die Erfahrung gemacht, dass Schwangerschaftsberatung mit allgemeiner Sozialberatung Hand in Hand gehe. Daher verstärken eine Psychologin, ein Rechtsanwalt, eine Frauenärztin und ein Geistlicher das Team der SkF-Mitarbeiter.
Wie dringend ihre Hilfe gebraucht wird, sieht Gaby Emken-Schmidt an der Anzahl persönlicher Beratungsgespräche. 690 Frauen wandten sich im vergangenen Jahr an die Beratungsstellen in Friesoythe, Barßel, Löningen und Cloppenburg. 41 Gespräche führte Emken-Schmidt in ihrem Barßeler „Lädchen“ bereits in diesem Jahr: „Das zeigt, dass wir hier auf dem Land auch nicht – wie manchmal vermutet – in einer heilen Welt leben.“ Wer ein Gespräch sucht, ist durchschnittlich zwischen 20 und 24 Jahre alt. „Ein typisches Alter, um das erste Kind zu bekommen“, so Emken-Schmidt. Dennoch falle auf, dass – trotz Aufklärung und Prävention – immer wieder minderjährige Schülerinnen schwanger werden. „Bei einigen hält sich nach wie vor das Märchen, dass beim ersten Mal nichts passieren könne.“ Wie es aussieht, wird Gaby Emken-Schmidt auch in Zukunft viel zu tun haben. Mit Sorge verfolgt sie die angekündigten Sparmaßnahmen der Bundesregierung. „Kürzungen bei Eltern- und Arbeitslosengeld bedeuten doch nur, dass es wieder die Ärmsten der Armen trifft“, meint sie. „Wer sich für ein Kind entscheidet, wird auch noch bestraft“, fügt sie achselzuckend hinzu.
