Hannover - Niedersachsens Milchbauern sind verzweifelt. „Die Situation auf den Höfen ist teilweise dramatisch. Viele Betriebe werden in die Insolvenz gehen. Rechnungen stapeln sich und können nicht mehr bezahlt werden“, schildert Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Lage. Nach dem Wegfall der Milchquote zum 1. April stürzten die Preise noch weiter in den Keller. Für Bauern gibt es aktuell pro Kilo Milch zwischen 26 und 29 Cent. Die Kosten liegen aber bis zu 30 Prozent höher. Eine ruinöse Entwicklung, doch die Milchbauern wollen sich wehren – bis hin zum „Milchstreik“. „Wir schließen keine Maßnahme aus“, sagt Schaber. Bei der letzten Krise 2009 wurde Milch einfach weggekippt oder verfüttert – „oder wir sprühen diesmal die Milch auf die Felder“, kündigt der Verbandspräsident an.
Niedersachsens rund 11 200 Milchbauern fühlen sich von der Bundesregierung und der EU allein gelassen. „Bei der letzten Krise gab die Bundesregierung noch 750 Millionen Euro“, so Schaber. Jetzt komme gar nichts.
„Die Bundesregierung lässt unsere Milchbauern im Stich“, klagt deshalb Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne). Gemeinsam mit den Ländern Schleswig-Holstein, Hessen, NRW, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fordert Niedersachsen „Kriseninstrumente“ zur Stabilisierung des Milchmarkts. Die Bauern plädieren für eine Mengenbegrenzung. „Wir müssen die Reißleine ziehen mit 2 bis 3 Prozent weniger Milchproduktion“, fordert Schaber.
