Mitten im Glyphosat-Gezerre der EU, die uneins ist, ob das Mittel, das auf 40 Prozent aller Agrarfelder in Deutschland ausgebracht wird, gesundheitsschädlich ist, packt der Bayer-Konzern die ultimative Unkrautvernichtungskeule aus. Bayer will Monsanto kaufen.

Der US-Konzern ist einer der Glyphosat-Hauptproduzenten. Gemeinsam würden beide ein Viertel aller Pflanzenschutzmittel weltweit produzieren. Obwohl bisher fast noch nichts feststeht, weder ob die beiden sich wirklich wollen, noch wie viele Aber-Milliarden Bayer für Monsanto zahlen müsste, ist der Aufschrei groß. Es würde ein Koloss mit Mega-Marktmacht entstehen, der das betrifft, bei dem wir alle sensibel sind, die Nahrungsmittel, die wir täglich zu uns nehmen. Monsanto bietet nämlich nicht nur Unkrautvernichter an, sondern genmanipuliertes Saatgut gleich mit. Während in Deutschland genveränderte Lebensmittel nicht zugelassen sind, haben sie sich weltweit gehörig ausgebreitet.

Beim Pflanzenschutz ist längst ein weltweites Monopoly in Gang. Die schweizerische Syngenta wurde gerade erst für Milliarden von Chinesen übernommen. In den USA schließen sich Dupont und Dow Chemical zu einem Konzern mit Supernova-Ausmaßen zusammen. Bayer droht den Anschluss zu verlieren, umso mehr, da der Großteil der Forschung längst in Länder gewandert ist, die keine strikten Gen-Gesetze haben.

Der Bedarf nach Saatgut und Unkraut-Vernichtern wird in den nächsten Jahren massiv zunehmen, da die Weltbevölkerung rapide wächst. Hinzu kommt der Klimawandel. Ohne gentechnische Veränderung ist das alles nicht zu machen, argumentieren die Befürworter. Weltweit geht es dabei um handfeste finanzielle Interessen. Die Bauern sind in diesem Monopoly die kleinsten Spielfiguren. Nicht nur mit der Milch haben sie kaum mehr ein Auskommen, auch mit anderen Agrarrohstoffen. In Schwellenländern üben die Konzerne ganz besonders Druck auf die Landwirte aus. Monsanto hat beispielsweise über falsche Patentrechte von indischen Bauern zu hohe Gebühren verlangt. Zuvor wurden kleinere Saatguthersteller mit Kampfpreisen in die Pleite gedrängt.

Klar ist: Bayer hat mehr als ein Fusionsvorhaben gestartet. TTIP zeigt es besonders deutlich: Die öffentliche Meinung bestimmt immer mehr mit, was geht und was vielleicht doch nicht. Die Anleger an der Börse dagegen interessiert nur der Kaufpreis. 60 Milliarden Dollar wird geschätzt. Irre viel. Bayer könnte sich an Monsanto verschlucken. Weit über das Wirtschaftliche und Finanzielle hinaus, wirft der angestrebte Deal eklatante Zukunftsfragen auf. Wie wird die Welt in Zukunft genügend Nahrung sicherstellen? Und wie können und wollen wir in Zukunft leben?