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Von Andreas Herholz
Frage:
Die Proteste gegen dänische Karikaturen des Propheten Mohammed werden immer heftiger. Wäre eine Entschuldigung notwendig?
Beckstein:
Eine Entschuldigung der dänischen Regierung ist nicht geboten. Ob sich eine Redaktion für den Abdruck der Karikaturen entschuldigen will, muss sie selber entscheiden.
Frage:
Ist hier nicht leichtfertig mit den religiösen Gefühlen von Millionen Menschen umgegangen worden?
Beckstein:
Natürlich muss man mit religiösen Gefühlen sehr sorgfältig umgehen. Das gilt für Muslime ebenso wie für Christen. Hier tragen die Medien eine besondere Verantwortung. Aber die Meinungsfreiheit darf nicht eingeschränkt werden. Sie ist eines unserer vornehmsten Grundrechte.
Frage:
Die Proteste werden weltweit immer heftiger. Waren die umstrittenen Karikaturen womöglich ein willkommener Anlass?
Beckstein:
Die Stimmung in weiten Teilen der islamischen Welt ist außerordentlich aufgeheizt. Dort gibt es massive Drohungen mit Gewalt. Intoleranz und Gewalt waren ja bereits bei den Todesdrohungen gegen Salman Rushdie und bei der Ermordung von Theo van Gogh in den Niederlanden deutlich geworden. Der Aufruf zur Gewalt lässt sich unter keinen Umständen rechtfertigen. Demonstrationen sind legitim.
Frage:
Werden durch die Karikaturen, die den Propheten Mohammed mit einer Bombe zeigen, Muslime nicht unter Generalverdacht gestellt? Besteht auch hier in Deutschland die Gefahr, dass sich die Stimmung unter den Muslimen aufheizt?
Becksteni:
Die Gefahr sehe ich. Nicht nur der kleine fanatische Teil innerhalb des Islam könnte sich hier verleumdet fühlen, sondern alle Muslime generell. Es gibt zudem Hinweise, dass die fundamentalistischen Gruppierungen in Deutschland stärker geworden sind. Das Interesse an Islamkursen im In- und Ausland hat deutlich zugenommen. Aber noch einmal: All das ist keine Rechtfertigung für Gewalt.