Berlin - Die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ist weitaus stärker eingeschränkt als bisher bekannt. Nach einem vertraulichen Bericht des Verteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, der unserer Berliner Redaktion vorliegt, sind auch eine große Anzahl von Fahrzeugen, Kampfflugzeugen und Schiffen betroffen.
Nur 42 der 74 verfügbaren Eurofighter der Luftwaffe sind für Ausbildung, Übungsflüge oder Einsatz bereit. Bei den Tornado-Jägern sind es 38 von 66. Lediglich 24 der 43 aktuell verfügbaren Transall-Maschinen C-160 können starten. Beim Transporthubschrauber CH-53 sind es nur 16 von 43.
Bei der Marine sind nicht nur große Teile der Hubschrauber defekt: Drei der fünf Aufklärungsflugzeuge des Typs P3-C Orion müssen derzeit wegen Mängeln am Boden bleiben. Auch eine der acht Fregatten ist nicht einsatzbereit. Nur sechs der elf Minenabwehreinheiten der Marine können genutzt werden.
Die Opposition übt deutliche Kritik an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihrem Vorgänger Thomas de Maizière (beide CDU). „Es war eine böse Bescherung im Verteidigungsausschuss. Die Lage der Verfügbarkeit des Bundeswehrmaterials stellt sich desolater dar als angenommen“, erklärte am Mittwoch Grünen-Wehrexperte Tobias Lindner. Neben gravierenden Einzelproblemen wie beim Marinehubschrauber Sea Lynx zeigten sich auch enorme strukturelle Probleme im Verteidigungsministerium. „Die verschleppte Ersatzteilbeschaffung in der Amtszeit von Thomas de Maizière hat nun massive Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, so der Grüne.
Auch der Koalitionspartner SPD sieht die Ministerin unter Zugzwang. „Wir erwarten jetzt für die nächsten Monate Lösungsvorschläge“, so SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.
Trotz aller Probleme sieht Ursula von der Leyen keinen Grund zur Panik: „Hochleistungsfähig“ sei die Bundeswehr, erklärte die CDU-Politikerin am Mittwoch vor den Kameras in Berlin: „Wir warten auf neues, modernes Material.“
