Herr Fuchs, der niedersächsische Sparkassenverband hat vergangene Woche Alarm geschlagen, weil vielen Stiftungen in der derzeitigen Null-Zins-Politik finanziell die Luft ausgeht. Spürt die Bürgerstiftung Ganderkesee das auch?

FuchsNicht in dem Maße. Wir sind ja sozusagen eine Bürgerstiftung 2.0, die nicht nach dem alten Schema eine Menge Geld gesammelt, als Kapitalstock angelegt und auf Zinsen gewartet hat. Wir haben von Anfang an projektorientiert gearbeitet und für die jeweiligen Themen Sponsoren geworben. Insofern tangiert uns die Zinslage nicht.

Aber Sie sind seinerzeit auch mit einem Kapitalstock von 45 000 Euro an den Start gegangen...

FuchsJa, aber das ist nicht unsere Finanzierungsbasis. Wir gehen mit unseren Projekten an die Öffentlichkeit und sammeln Spenden ein. Die Mittel aus dem Stiftungsstock wären im Fall des Falles nur das Minimum, das die Stiftung am Leben hält.

Ist es denn einfach in diesen Zeiten, Sponsoren zu finden?

FuchsDas kommt auf die Themen an. Wenn die Leute von einer Sache begeistert sind, spenden sie auch. Wir können uns nicht beklagen. Aber wenn wir nicht von Anfang an unsere klare Strategie verfolgt hätten, wäre es wahrscheinlich schwieriger, die Menschen für unsere Projekte zu begeistern.

Wie sieht diese Strategie aus?

FuchsWir haben die Arbeit der Bürgerstiftung auf drei Säulen gestellt: Bildung, Familienfreundlichkeit und Erhalt der ländlichen Strukturen. Mit diesen Schwerpunkten können wir immer wieder interessante Projekte auf die Beine stellen – so zuletzt den sehr gut besuchten Vortragsabend mit Professor Klaus Rademacher aus Hude über den demografischen Wandel und dessen Folgen für die Dörfer.

Ist da nicht mehr die Politik gefordert?

FuchsJa, und ich bin gespannt, welche Pläne die Politik jetzt für die Bauerschaften auflegt. Aber auch die Bürger müssen formulieren, was sie wollen, und dafür sind wir als Bürgerstiftung die richtige Plattform.

Was sind die nächsten Projekte der Stiftung? Wird es wieder ein Sprachcamp geben?

FuchsJa, in der ersten Oktoberwoche, zum zweiten Mal und wieder in Hollen. Es nehmen Kinder mit einem mehrsprachigen Hintergrund teil. Die Auswahl wird in den Grundschulen getroffen.

Und sonst noch?

FuchsEin Arbeitskreis kümmert sich darum, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, in Kooperation mit der regioVHS wird ein Kursus „Therapeutisches Malen für Jungen“, eben auch für traumatisierte Flüchtlingskinder, vorbereitet und mit dem Umweltzentrum in Hollen ist ein Kochkursus für Flüchtlingsfrauen geplant – alles unter dem Aspekt der Bildung und Integration.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)