Brüssel - Der Witz ist den meisten längst im Hals steckengeblieben. „Wie? Sie haben Salah Abdeslam nicht gesehen? Der stand doch letzte Woche noch an der Pommes-Bude am Place Jourdan.“ Monatelang erzählten sich Brüsseler Einwohner den Spruch über den Terroristen, der eine Schlüsselrolle bei den Pariser Anschlägen am 13. November 2015 mit 130 Toten gespielt haben soll – vorrangig aber jene, die den „ganzen Firlefanz“ um die mehrtägige höchste Terrorwarnstufe vier im Dezember für ein „aufgeblasenes Getue“ der belgischen Regierung hielten.

Doch seit dem Auftritt von Außenminister Didier Reynders am Wochenende sind solche Gags verstummt: „Wir haben viele Waffen, schwere Waffen gefunden“, berichtete der liberale Politiker einer geschockten Öffentlichkeit. Und dann setzte er die Worte hinzu, die der Stadt den Atem nahmen: Salah Abdeslam, der 26-jährige Top-Terrorist aus der Gemeinde Molenbeek, habe „weitere Anschläge“ vorbereitet – darunter „auch etwas in Brüssel“.

Fest steht, dass Salah Abdeslam in den Monaten vor den Pariser Mord-Anschlägen durch Deutschland, Österreich, Griechenland, Italien, Ungarn und die Niederlande gereist ist, um Gleichgesinnte zu suchen. So tauchte er am 3. Oktober 2015 vor einem Asylbewerberheim in Ulm auf, hielt sich eine Stunde dort auf und fuhr wieder zurück – wenig später stellten die Betreuer des Heims fest, dass drei Männer fehlten. Auf rund 30 Personen schätzen belgische und französische Staatsanwaltschaft inzwischen den Kreis der Helfer und Unterstützer.

Bei der Suche nach mutmaßlichen Komplizen Abdeslams bittet die Staatsanwaltschaft Brüssel nun die Öffentlichkeit um Unterstützung. Nach jüngsten Ermittlungen sei die Identität eines Verdächtigen geklärt worden, nach dem nun gefahndet werde, hieß es am Montag. Bei dem Mann handele es sich um den 24-jährigen Najim Laachraoui, der vermutlich 2013 nach Syrien gereist sei.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge soll Laachraoui zudem gut zwei Monate vor den Attentaten in Paris mit Abdeslam und einem weiteren Verdächtigen in Ungarn gewesen sein. Der Mann sei von Beamten an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden, als er mit den anderen beiden in einem Mercedes unterwegs gewesen sei.

Laachraoui benutzte bei dieser Reise, wie sich später herausstellte, einen gefälschten belgischen Personalausweis. Unter dem Namen Soufiane Kayal soll er auch in der belgischen Stadt Auvelais ein Haus gemietet haben, das nach Erkenntnissen von Ermittlern den Islamisten als Unterschlupf diente. Die Polizei fand dort Spuren seiner DNA.