BELGRAD - Gewonnen und doch nicht gesiegt: Bei der Parlamentswahl in Serbien am Sonntag ist die pro-europäische Liste unter Führung der DS-Partei von Präsident Boris Tadic zwar stärkste Gruppierung geworden. Doch reichen die Mandate nach den am Montag veröffentlichten Zahlen der staatlichen Wahlkommission nicht für eine Mehrheit im 250 Sitze zählenden Parlament in Belgrad.
Eine solche Mehrheit können dagegen die Parteien des Anti-Europa-Blocks bilden. Unter Führung der ultranationalistischen Radikalen (SRS) könnten sie eine Koalition mit wenigstens 127 Mandaten schmieden.
Die Parteien dieses Blocks nahmen am Montag bereits Verhandlungen über eine Regierungskoalition auf. Es sei „eine bedeutende Übereinstimmung über den Charakter, die Ziele und das Programm der zukünftigen Regierung“ erzielt worden, berichteten Vertreter der SRS nach einem Treffen ihres Führers Tomislav Nikolic mit dem bisherigen Regierungschef und DSS-Parteivorsitzenden Vojislav Kostunica in Belgrad.
Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlkommission (RIK) wird die von Tadic angeführte Liste seiner DS-Partei mit 102 Abgeordneten im neuen Parlament vertreten sein. Die Radikalen kommen auf 77 und die DSS von Kostunica auf 30 Parlamentarier. Die Sozialisten erreichen 20 und die Liberaldemokraten (LDP) 14 Sitze. Die nationalen Minderheiten werden sieben Abgeordnete in die Volksvertretung entsenden.
Die DS-Liste kommt danach gemeinsam mit der LDP und den Minderheitsvertretern lediglich auf 123 Abgeordnete. Demgegenüber können die Anti-Europäer (SRS, DSS, SPS) auch nach ihren Stimmenverlusten eine Mehrheit von wenigstens 127 Stimmen auf die Beine stellen.
Kommentar, s.4
