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NWZonline.de Nachrichten Politik

Schaukelstuhl noch nicht in Sicht

22.02.2018

Bergisch Gladbach Wolfgang Bosbach ist in großer Eile. Gehetzt kommt er zum Interview an seinem Heimatort Bergisch Gladbach nahe Köln. Man erwartet ihn schon wenig später zu einem Empfang. Mittags will er mit dem Auto nach Darmstadt eilen, mit Schülern diskutieren. Abends zwei Redeauftritte in Hessen. Selbst am Wochenende ist der Terminplan gut gefüllt: Da ist er Juror bei der Miss-Germany-Wahl. Hatte sich der CDU-Innenexperte nicht gerade im Oktober aus dem Politikgeschäft zurückgezogen? Nach 23 Jahren im Bundestag war der 65-Jährige nicht mehr angetreten. Weil der Konservative öfters quer stand zum Kurs der CDU-Führung, aber auch um mehr Zeit zu haben. Danach sieht es nicht aus. Kann jemand, der seit Jahrzehnten Politik macht, gar nicht mehr ohne?

„Im Moment hat sich mein Leben noch nicht so sehr geändert, mit einer einzigen Ausnahme: Jede Zuschrift oder Einladung beginnt mit dem Satz: ,Jetzt, wo Sie mehr Zeit haben, könnten Sie doch mal...‘“, erzählt Bosbach. Er habe viele Termine verschoben auf die Zeit nach dem Bundestag. Das arbeite er nun ab. „Ich spreche über die Lage der Nation und über die Lage der Union.“ Die Veranstaltungen seien „supergut besucht, da bleibt kein Stuhl frei“. Aber der Reiseaufwand mache ihm zu schaffen. „Im Moment sage ich mehr ab als zu.“

Bosbach, verheiratet, drei erwachsene Töchter, im ersten Leben Supermarktleiter, dann nach Abitur und Jurastudium auch als Rechtsanwalt tätig, ist unheilbar an Krebs erkrankt. „Die Krebstherapie hat leider eine chronische Müdigkeit zur Folge, die ich am heftigsten spüre, wenn ich einmal Ruhe habe“, sagt er. „Solange ich wie ein Hamster im Rad unterwegs bin, merke ich das eigentlich gar nicht. Ich habe keine Schmerzen, keine Beschwerden, die mich daran hindern zu tun, was ich gerne tun möchte.“

Von seinem Parteifreund Armin Laschet, dem NRW-Ministerpräsidenten, hat er sich zum Vorsitzenden einer neuen Kommission berufen lassen. In der Staatskanzlei angesiedelt, hochkarätig besetzt. Laschet betont, das Gremium solle die Sicherheitsarchitektur einer „Generalrevision“ unterziehen. Arbeitsintensiv, berichtet Bosbach. „Vom Ruhestand im Schaukelstuhl kann keine Rede sein.“

Fällt ihm Verzicht auf Einfluss, auf Macht schwer? „In 46 Jahren (als CDU-Mitglied) hatte ich überhaupt noch nie das Gefühl, Macht zu haben. Ich konnte an wichtigen Entscheidungen mitwirken, mehr aber auch nicht.“ Die parlamentarische Arbeit und das „gute Miteinander auch über Parteigrenzen hinweg“ werden ihm sicher fehlen, sagt er – ergänzt aber, mit Blick auf das Gezerre um eine Groko: „In den letzten Monaten war ich überhaupt nicht traurig, dass ich bei diesen quälenden Debatten nicht aktiv dabei sein musste. Im Gegenteil.“

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