Ofenerdiek - Umweltfrevel oder wegen des gehobenen öffentlichen Interesses legitime Aktion? Fakt ist, dass im Auftrag der Stadtverwaltung aus Sicht der Anlieger Anfang des Jahres am Bardieksweg in Ofenerdiek zwei Biotope ge- bzw. zerstört wurden, in denen nordische Bergmolche beheimatet waren.

Und die stehen unter europäischem Naturschutz, wissen Horst Wesner und Sabrina Haferkamp. Die beiden wohnen am Bardieksweg und sind mit anderen Anliegern verärgert über die Aktion der Stadtverwaltung. Die Molche und andere Amphibien seien in ihrer Winterruhe gestört worden, als am 17. Februar das Eis auf den künstlich angelegten Teichen aufgeschlagen worden sei. Die Amphibien hätten fast mit ihrer Wanderung begonnen, rechtfertigte Robert Sprenger vom städtischen Umweltamt am Dienstagnachmittag bei einem Ortstermin die Aktion.

Und das sollte verhindert werden, ergänzte Marc Reichenbach, von der Stadt beauftragter Biologe und Ökologe, das Vorgehen. Die Tiere würden zum Fliegerhorst umgesiedelt, bevor sie ihre Eier ablegten beziehungsweise sich Larven bildeten. Rund um die beiden Teiche wurden Fangzäune errichtet, um zu verhindern, dass Amphibien einwandern beziehungsweise den Teich, den sie zum Überwintern genutzt haben, verlassen, erläuterte Sprenger das weitere Vorgehen. Die Tiere fallen, wenn sie am Zaun entlang wandern, in kleine Behältnisse, die täglich geleert werden. „Und wo sich der Graureiher bedient“, warfen Anlieger während des Ortstermins ein. Bisher sind knapp 90 Bergmolche, zehn Grasfrösche und sechs Erdkröten gefangen und zu einem Gewässer auf dem ehemaligen Fliegerhorst gebracht worden.

Auf dem circa vier Hektar großen Hintergrundstück sollen fünf freistehende Einfamilien-Häuser gebaut werden. Die Großeltern von Sabrina Haferkamp, denen ein großer Teil des Geländes gehörte, hatten das Areal vor rund 80 Jahren an die Stadt verkauft. Seitdem bestand ein Pachtverhältnis, das die Kommune nun aufgelöst hat.

Grünen-Ratsherr Sebastian Beer ärgert neben den naturschutzrechtlichen Aspekten auch die Vorgehensweise der Verwaltung, die ohne von der Politik legitimiert worden zu sein, Fakten geschaffen habe. Der Bauausschuss habe im laufenden Verfahren jedenfalls noch keine Satzung beschlossen. Als das Thema zur Beratung auf den Tisch kam, seien die Biotope bereits ausgeräumt und die Umsiedlung begonnen worden.

Das Thema wird den Bauausschuss an diesem Donnerstag erneut beschäftigen. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Technischen Rathaus, Eingang C, an der Industriestraße. Sprenger verwies darauf, dass viele Menschen in Oldenburg auf Grundstücke warten, auf denen sie ein Einfamilienhaus bauen können. Außerdem gebe es im nicht weit entfernten Weißenmoor Amphibien-Populationen, die in die Tausende gingen.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg