BERLIN - Nach massiver Kritik hat Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihren Gesetzentwurf zum Einsatz jugendlicher Testkäufer gegen den illegalen Verkauf von Alkohol, Zigaretten und Gewaltvideos zurückgezogen. Anstatt den Entwurf wie geplant am Mittwoch ins Kabinett einzubringen, werde von der Leyen demnächst einen „runden Tisch“ für eine gemeinsame Lösung organisieren, sagte Ministeriumssprecherin Iris Bethge am Sonntagabend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor bereits Gesprächsbedarf angemeldet.

„Ich will jetzt nichts durchpeitschen, sondern glaube, dass uns eine Atempause hilft, über wirksame Schritte im Jugendschutz zu diskutieren“, sagte von der Leyen. Die Ministerin hatte geplant, dass Testkäufer zwischen 14 und 18 Jahren im Beisein von Amtspersonen künftig verdeckt Händler überführen sollen, die gegen das Verkaufsverbot von harten alkoholischen Getränken, Zigaretten, Gewaltfilmen oder Killerspielen an Minderjährige verstoßen.

Ungeachtet massiver Bedenken hatte von der Leyen das Vorhaben am Wochenende in mehreren Interviews verteidigt. Jugendschutz-Organisationen, Handel und Politiker hatten sich skeptisch gezeigt, aber es gab auch Unterstützung für die Pläne.

Vom runden Tisch erwartet die Ministerin „konkrete Vorschläge zur Verbesserung des viel zu laschen Jugendschutzes“, wie sie sagte.

Heide-Rose Brückner, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerks, kritisierte: „Als Hilfspolizisten sind uns Kinder und Jugendliche zu schade.“

Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE): „Jugendliche dürfen nicht benützt werden, um Straftaten zu provozieren.“