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NWZonline.de Nachrichten Politik

Soldaten drückt der Schuh

29.08.2019

Berlin Neue Probleme mit der Beschaffung von Ausrüstung bei der Bundeswehr. Die Soldaten müssen lange auf neue Stiefel warten. Es gibt enorme Verzögerungen, wie aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums an die FDP-Wehrexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hervorgeht, die unserer Berliner Redaktion vorliegt. „Die vollständige Umsetzung des neuen Kampfschuhsystems Streitkräfte wird nach derzeitiger Planung bis zum Ende des zweiten Quartals 2022 abgeschlossen sein“, heißt es nun aus dem Ministerium. Ursprünglich sollten alle Soldaten bis Ende nächsten Jahres bereits das neue Schuhwerk erhalten. Der Schuhwechsel ist seit 2016 geplant: Statt des „Ganzjahresschuhs“ sollen die Soldaten jeweils „zwei Paar Kampfschuhe, schwer“ und ein Paar „Kampfschuh, leicht“ erhalten.

Nach Angaben der Bundeswehr hätten inzwischen zwar etwa 160 000 der 183 000 Soldaten ein erstes Paar des schweren Kampfschuhs erhalten, doch fehle das zweite. Den leichten Schuh hätten nur gut 31 000 Soldaten.

Der Grund für den Stiefel-Notstand: „Begrenzte Kapazitäten der Industrie.“ Die Hersteller seien an einer Leistungsgrenze, kämen mit der Produktion nicht nach.

Das Verteidigungsministerium beruhigt: Alle Soldaten verfügten über zwei Paar sehr hochwertige Kampfstiefel. Es gebe „keine Ausstattungsmängel“, sagte ein Sprecher. Die alten Schuhe müssten nicht abgegeben werden.

Gerade in der Bundeswehr seien gute Stiefel keine Frage der Mode, sondern der Sicherheit, erklärte FDP-Wehrexpertin Strack-Zimmermann. „Es ist grotesk, dass es derart lange dauert, die Truppe mit einem Komplettsatz neuer Stiefel zu versorgen“, kritisierte sie. Dass selbst die Beschaffung von Stiefeln nicht im Zeitplan bleibe, sei beispielhaft. „Die neue Ministerin muss die Reform des Beschaffungswesens jetzt zügig angehen“, fordert sie.

Kritik kommt auch von den Grünen: Bei unterschiedlichen Kampfstiefeln für Winter und Sommer gehe es vor allem um eine praxistaugliche und attraktive Ausrüstung, erklärte Tobias Lindner, sicherheitspolitischer Sprecher der Fraktion. „Es ist Soldaten kaum zu vermitteln, wieso die Bundeswehr mehrere Jahre benötigt, um Stiefel zu liefern, die man sich als Privatperson leicht in einem Outdoor-Fachgeschäft kaufen kann“, sagte er. Persönliche Ausrüstung und Bekleidung zählten sicherlich nicht zu den komplexesten Rüstungsprogrammen.

Ein Problem mehr für die Verteidigungsministerin. Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) muss liefern und zwar nicht nur Schuhe: Fehlende Diensthemden und selbst zu wenig Schutzwesten – die Liste der Mängel ist lang, kritisiert der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD). So soll es bis zum Jahr 2031 dauern, bis alle Soldaten mit moderner Kampfbekleidung und modernen Schutzwesten ausgestattet sind. Erst in zwölf Jahren soll eine sogenannte Vollausstattung erreicht sein.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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