BERLIN - Angela Merkel ist schon fertig. Boris Becker und Albert Einstein auch. Klaus Wowereit ist noch in Arbeit, wird aber bis zum Juli fertig sein. Wenn im Sommer die Filiale des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds Unter den Linden 74 in Berlin ihre Pforten öffnet, könnte alles so schön sein. Nur einer stört – schon wieder – die Geschichte: Adolf Hitler.
Die Macher der Ausstellung bestehen darauf, den Diktator zu präsentieren. Die ganze deutsche Geschichte solle gezeigt werden. Auf Hitler zu verzichten, hieße, „eine Lücke zu hinterlassen“, argumentierte Madame Tussauds und provozierte damit einen Sturm der Entrüstung in Berlin. Lea Rosh, streitbare Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, warnte, die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte dürfe nicht „zu Konsum und Unterhaltung werden“.
Auch Wowereit, der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt, mochte da nicht zurückstehen. Im Februar noch ließ er sich medienwirksam von Mitarbeitern des Wachsfigurenkabinetts vermessen. Wenige Wochen später weiß er nicht mehr, ob er die geplante Ausstellung gut finden soll, mahnt schriftlich bei dem Wachs-Unternehmen einen „sehr sensiblen Umgang“ mit der deutschen Geschichte an. Schließlich wolle man ja keinen Wallfahrtsort für Hitler-Verehrer unterstützen.
Es bahnt sich eine Lösung an. Anders als im Londoner Mutterhaus, das einen Hitler in herrischer Pose zeigt, soll der Berliner Diktator als gebrochener Mann kurz vor seinem Selbstmord in einer fensterlosen, grauen, bunkerähnlichen Kulisse präsentiert werden. Um ganz sicher zu sein, dass grinsende Besucher nicht neben der 200 000 Euro teuren Puppe für Kameras posieren, wird der Wachs-Adolf hinter einen Tisch gesetzt, verbarrikadiert. Fotografieren soll in dem gesonderten Raum laut Madame Tussauds „aus Respekt für die Millionen Opfer“ überhaupt verboten sein. Seitlich des Drama-Dioramas soll zusätzlich auf Schrifttafeln ein Abriss der Geschichte Nazi-Deutschlands gegeben werden.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, lehnt die geplante Ausstellung nicht rigoros ab. Die Schau biete die Chance, „unsere Sicht auf Hitler zu normalisieren und ihn zu demystifizieren“.
Der historische Hitler soll an seinem Todestag am 30. April 1945 verfügt haben, seine Leiche zu verbrennen. Er wolle „auf keinen Fall“ in einem „Wachsfigurenkabinett“zur Schau gestellt werden. 63 Jahre später kommt es nun vermutlich doch dazu – für 18,50 Euro Eintritt.
