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CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei Der Mann fürs „Bürgerliche“

Hagen Strauß Büro Berlin

Berlin - Es ist ein Satz, der zur Person des Thorsten Frei ziemlich gut passt. Als Union habe man sich vorgenommen, „eine sehr konstruktive, eine dezidiert bürgerliche Opposition zu dieser Regierung zu sein“, meinte der 48-jährige am Dienstag während einer Runde mit Journalisten. Frei stammt aus dem einflussreichen Landesverband Baden-Württemberg, wo die Bürgerlichen der CDU sozusagen zuhause sind. Er ist der neue Strippenzieher der Unions-Bundestagsfraktion. Gut vernetzt, als Rechts- und Innenpolitiker anerkannt - und mit klaren Vorstellungen für die nächsten Jahre auf den harten Oppositionsbänken.

Seit 2013 im Bundestag

„Erster Parlamentarischer Geschäftsführer“ lautet der neue Titel des ehemaligen Oberbürgermeisters von Donaueschingen, der seit 2013 im Bundestag sitzt. Seine ersten Reden als „PGF“, so sein Kürzel, hat er bereits im Parlament gehalten. Rhetorisch mit ziemlich viel Dampf, mal die feine Klinge, mal die Attacke. Die Ampel kann sich auf was gefasst machen. Auch die ersten Talkshow-Auftritte absolvierte Frei weitgehend souverän, wie am Montag den bei „Hart aber fair“.

Bürgerlich ist nicht nur seine Haltung, sondern auch sein Erscheinungsbild: Die graumelierten Haare streng nach hinten gegelt, der Anzug meist dunkel, die Krawatte hat der Vater von drei Kindern immer ordentlich gebunden. Bislang war Frei Vizevorsitzender der Unionsfraktion, eng arbeitete er mit dem anderen einflussreichen Baden-Württemberger im Parlament zusammen, mit Andreas Jung, zuletzt Klimaexperte der Fraktion. Jung will jetzt stellvertretender Parteivorsitzender unter Friedrich Merz werden. Die Baden-Württemberger, das steht fest, sind nach der Niederlage bei der Bundestagswahl bei der Besetzung der weniger gewordenen Posten vorne mit dabei. Sie sichern sich ihren Einfluss.

Verlängerter Arm des Fraktionschefs

Als „PGF“ muss Frei die Fäden in der Hand halten, er muss wissen, was hinter den Kulissen in den vielen Berliner Kungelrunden der Abgeordneten abläuft, mitunter auch den einen oder anderen Widerspenstigen in den Beichtstuhl holen. Er ist der verlängerte Arm von Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Frei gehört damit zum kleinen Kreis der besonders Mächtigen im Parlament. Sein Vorgänger, Michael Grosse-Brömer, hatte das Amt des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers neun Jahre inne; er verstand es aber nicht wirklich, in den politischen Debatten Akzente zu setzen, auch persönlich Kapital aus dieser einflussreichen Funktion zu schlagen. Grosse-Brömer, so heißt es, habe selber entschieden, nicht mehr weitermachen zu wollen. Abgefunden wurde er mit dem Vo rsitz des Wirtschaftsausschusses.

Frei scheint ein anderes Klaiber zu sein als sein Vorgänger. Konflikten geht er nicht aus dem Weg - schon in der GroKo lieferte er sich Gefechte mit den SPD-Innenpolitikern um diverse Sicherheitsgesetze. Auch ist er ein guter Erklärer, der deutliche Worte am Ende nicht scheut. „Ein erster PGF hat schon die Chance, das Amt und die Funktion zu prägen“, so Frei. Als man noch Regierungsfraktion gewesen sei, sei es darum gegangen, keine Abstimmungen zu verlieren und Mehrheiten für die Regierungsvorlagen beisammen zu haben. „Das fällt nun weg. Das eröffnet uns als Fraktion aber die Chance, in größeren Linie unterwegs zu sein.“ Also darüber zu reden, „was wir für richtig und nicht nur für machbar halten“, so Frei. Und das dann als „geschlossene Formation“.

Wie geht es ab Mai weiter?

Bleibt die Frage, inwieweit Freis Amt an das von Brinkhaus gekoppelt ist. Der Fraktionschef ist bis Ende April gewählt, der neue Parteivorsitzende Friedrich Merz könnte dann nach dem Posten greifen. Bislang hat Merz jedenfalls offengelassen, wie er vorgehen will. Merz sei bereits „voll mit eingebunden“, nehme auch an den Sitzungen der Fraktionsführung teil, meinte Frei am Dienstag. Er hoffe in der schwelenden Auseinandersetzung auf eine „einvernehmliche Lösung“. Das sei dann auch im Sinne einer „kraftvollen Oppositionsarbeit“. Für die muss nun Frei schon mal sorgen.

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