BERLIN -
Redaktion Berlin
BERLIN - Ausgrenzung? Affront? Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates? Die Familienministerin als christliche Missionarin? Ursula von der Leyen winkt ab, will Kritik und Vorwürfe nicht gelten lassen. Das Treffen mit den Vertretern der christlichen Kirchen sei lediglich „ein Auftakt, ein erster Schritt“, zum geplanten neuen Bündnis für Erziehung, verteidigt sie ihre Initiative und erhält Rückendeckung von der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann und Georg Kardinal Sterzinsky. Im Herbst, beim nächsten Treffen, will die CDU-Politikerin auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, Wohlfahrtsverbände und die Wirtschaft mit an den Tisch des Bündnisses bitten. „Hier stehen alle Türen offen“, spricht sie bereits eine Einladung aus.Kritik von Gewerkschaften, Grünen und Liberalen. Empörung beim Zentralrat der Muslime in Deutschland. „Hier werden alle Nicht-Christen ausgegrenzt. Ganz im Sinne der Debatte um die deutsche Leitkultur sind wir als nicht zugehörig nicht eingeladen worden. Das ist ein starkes Stück!“, attackierte dessen Vorsitzender, Axel Ayyub Köhler, die Ministerin im Gespräch. Noch hat die Arbeit des Bündnisses für Erziehung gar nicht richtig begonnen, da tobt bereits ein heftiger Streit darum. Die Grünen forderten Familienministerin von der Leyen schon auf, ihre Pläne zurückzuziehen.
Die CDU-Politikerin, die auch mit ihren Plänen für ein Elterngeld und damit verbundenen „Vatermonaten“ für Wirbel sorgt, denkt jedoch gar nicht daran. Warum ein Bündnis für Erziehung? Von der Leyen will eine stärkere Wertevermittlung schon in den ersten Jahren der Erziehung. Werte, Regeln, Grundsätze – Respekt, Verlässlichkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Zivilcourage sollen nicht nur leere Begriffe bleiben, sondern künftig wieder stärker vermittelt und von klein auf gelebt werden, so das Ziel der Ministerin. Es gelte, den Begriff der Menschenwürde in der Erziehung mit Inhalt zu füllen.
Die Ereignisse an der Berliner Rütli-Schule haben auch die Familienministerin aufgerüttelt. Neben dem geplanten Integrationsgipfel ein Bündnis für Erziehung – die Bundesregierung will entschlossenes Handeln demonstrieren.
Warum christliche Werte? „Auf christlichen Werten basiert unsere ganze Kultur“, entgegnet die christdemokratische Familienministerin und Mutter von sieben Kindern den Kritikern. Und schließlich stellten die beiden großen christlichen Kirchen 72 Prozent der von freien Trägern unterhaltenen Kindertagesstätten. Neben Kindergärtnern und Lehrern seien vor allem auch die Eltern gefordert. Weshalb jedoch auch gerade diese Gruppen beim Start des Bündnisses für Erziehung außen vor bleiben, darauf bleibt die Ministerin eine plausible Antwort schuldig.
Sie plant „Leuchtturmprojekte“, die auf andere Einrichtungen positiv ausstrahlen sollen. Es gehe darum „Bausteine“ für die Arbeit des Bündnisses zu entwickeln. Wie diese jedoch konkret aussehen könnten, verrät von der Leyen noch nicht.
