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NWZonline.de Nachrichten Politik

Essener Tafel bleibt hart

01.03.2018

Berlin /Essen Die Essener Tafel hat am Mittwoch planmäßig neue Bezugskarten für Lebensmittelpakete an bedürftige Deutsche ausgegeben. Dabei wurden mehrere Bewerber mit ausländischem Pass weggeschickt. Mehrere Dutzend Menschen standen am Morgen für neue Berechtigungen an. Wer keine Kundenkarte bekam, wurde gebeten, in sechs Wochen wiederzukommen. Alles lief dabei friedlich ab, es gab keine lautstarken Proteste.

Der Verein in Essen vergibt neue Bezugskarten für Lebensmittel seit dem 10. Januar vorerst nur noch an Deutsche. Der Aufnahmestopp für Ausländer sorgt bundesweit für heftige Debatten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Entscheidung kritisiert. Auch Sozialverbände, Politiker verschiedener Parteien und andere Tafeln halten die Bevorzugung für falsch. Die Essener Tafel hält aber vorerst an der Praxis fest.

Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping forderte am Mittwoch einen Kurswechsel in der Sozialpolitik. Sie wolle nicht über irgendwelche Quoten nach Nationalitäten für die Nutzer der Tafeln diskutieren, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“.

Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer zeigte dagegen Verständnis für die Entscheidung des Essener Vereins. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag: „Dabei müssen wir entschieden dem Eindruck entgegenwirken, dass wegen der Migrations- und Flüchtlingskrise und den enormen Mitteln, die der Staat für Flüchtlinge und Migranten aufwendet, hilfsbedürftige Deutsche schlechter gestellt werden und kürzertreten müssen.“

Die Kanzlerin milderte am Mittwoch ihre Kritik am Vorgehen der Tafel. Sie zollte den Mitarbeitern Respekt und betonte deren Verantwortung für die Ausgabepraxis. Nach einer Ermahnung an die Adresse der Mitarbeiter war Merkel selbst wegen ihrer Kritik angegriffen worden.

Die Essener Tafel begründet ihr Vorgehen mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor gesagt. Nach der Kritik strebt die Tafel eine Neuregelung bei der Lebensmittelverteilung an.

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