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NWZonline.de Nachrichten Politik

Faktencheck Zur Verkehrsdebatte: Macht ein Tempolimit unsere Autobahnen sicherer?

07.02.2020

Berlin Der Streit ums Tempolimit ist wieder einmal in vollem Gange. Der größte deutsche Automobilclub, der ADAC, lehnt neuerdings eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen nicht mehr grundsätzlich ab. Wenige Tage nach dem Start einer Kampagne der CSU gegen eine generelle Beschränkung auf 130 Kilometer pro Stunde konterte nun die Deutsche Umwelthilfe mit einer Online-Aktion für Tempo 120. Die Grünen fingen derweil Überlegungen eines Bundestagsabgeordneten eilig wieder ein, auch über Ausnahmen für Elektroautos von einem Tempolimit nachzudenken.

Bewertung: Tendenziell richtig. Es gibt jedoch keine Studie für Deutschland, die das Ausmaß dieses Effektes allgemeingültig belegt.

Fakten: Das Autobahnnetz umfasst mit 13 000 Kilometern weniger als zwei Prozent aller Straßen. Allerdings werden dort rund ein Drittel aller gefahrenen Kilometer zurückgelegt. Schon heute – ohne allgemeines Tempolimit – seien sie die sichersten Straßen, führen Tempolimit-Gegner an.

Rein statistisch gesehen haben sie recht: 13 Prozent der Verkehrstoten entfielen 2018 auf Autobahnen, neun Prozent aller Schwerverletzten in Deutschland waren dort in Unfälle verwickelt.

Allerdings gebe es keinen Gegenverkehr, wendet Wulf Hoffmann von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland ein. Autofahrer müssten auch nicht plötzlich mit Fußgängern oder Radfahrern rechnen. Leitplanken schützten seitlich vor Hindernissen. „Das wäre ja ein Ding, wenn das nicht die sichersten Straßen wären“, sagt Hoffmann.

Der Unfallexperte ist der Ansicht, durch Tempo 130 werde die Verkehrssicherheit auf Autobahnen weiter verbessert. Modellrechnungen ließen den Schluss zu, dass es deutlich weniger Verkehrstote bei geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit gebe, erklärt Hoffmann. Physikalisch betrachtet, ist dies nachvollziehbar: Je höher die Geschwindigkeit, desto länger ist der Bremsweg und heftiger die Wucht, mit der Fahrzeuge aufeinanderprallen.

Fakt ist aber auch: Auf Abschnitten ohne Tempolimit – heute etwa 70 Prozent der Autobahnen – gibt es nicht überproportional viele tödliche Raser-Unfälle. Laut Verkehrsstatistik war 2018 unangepasste Geschwindigkeit bei etwa jedem zweiten tödlichen Crash eine der Ursachen – egal ob mit oder ohne Tempolimit.

Eine umfassende Studie zu dem Thema gibt es in Deutschland bisher nicht. Bislang wurde versucht, aus den Erfahrungen mit Tempolimits, die auf einzelnen Strecken angeordnet worden sind, auf Wirkung eines generellen Tempolimits zu schließen. Allerdings stehen die Schuler meist gezielt an unfallträchtigen Strecken.

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