BERLIN - Die Plagiatsaffäre um Silvana Koch-Mehrin wird für die FDP zunehmend zur Belastung. Die Parteispitze vermied am Montag eine klare Festlegung, ob Koch-Mehrin, der die Uni Heidelberg den Doktortitel aberkannt hatte, ihr Mandat als Europa-Abgeordnete behalten soll.
Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki forderte seine Parteikollegin auf, sich öffentlich zu entschuldigen. Dann könne sie auch im Europa-Parlament bleiben. FDP-Generalsekretär Christian Lindner verlangte einen fairen Umgang mit Koch-Mehrin.
Lindner sagte in Berlin: Wir waren der Auffassung, dass zunächst einmal abzuwarten ist, wie Frau Koch-Mehrin sich selbst entscheidet. Die 40-Jährige habe noch nicht einmal einen offiziellen Bescheid aus Heidelberg zu den Gründen der Aberkennung der Promotion erhalten, um mögliche juristische Schritte zu erwägen.
Ich finde, da gehört es zum guten Ton, dass sie einen solchen Sachverhalt erst einmal für sich prüfen kann, sagte Lindner. Eine Vorverurteilung aufgrund von Medienberichterstattung sei unschicklich. Koch-Mehrin, die unter Ex-FDP-Chef Guido Westerwelle eine steile Karriere gemacht hatte, soll bei ihrer Dissertation in weiten Teilen abgeschrieben haben.
Der ebenfalls wegen seiner Doktorarbeit unter Druck stehende FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis nannte Plagiatsjäger im Internet tyrannisch. Hier werden Politiker bestimmter Couleur willkürlich gejagt, sagte er dem Trierischen Volksfreund.
