BERLIN - Die Große Koalition ist Mist, ausgebrannt, tägliche Quengelei. Sind wir satt. Also „Jamaika“, wenn es die Dame im Kanzleramt, die das Ruder noch lange nicht aus der Hand geben will, mit dem regierungssüchtigen Guido Westerwelle allein nicht schafft. Tolle Aussichten. Frau Merkel und Frau Roth? Um Himmelswillen!

Die Grünen wollen uns vor der Atomkraft bewahren. Ehrenwert, ein prächtiges Wahlkampfthema. Die Kanzlerin – und alle Vernunft, auch die des Senior-Sozialdemokraten Erhard Eppler – plädiert für verlängerte Laufzeiten. So wird es wohl kommen.

Die Große Koalition ist Teufelswerk! Wirklich? Ist das nicht etwas übertrieben? Mit wenigen ihrer Minister versteht sich Merkel so gut wie mit Peer Steinbrück, so gut, dass Huber und Beckstein im weiß-blauen Freistaat diese traute Zweisamkeit öffentlich denunzieren. Den beiden Bayern sind diese „Alphatiere“ unheimlich. Auch Edmund Stoiber war so eines. Nur, der ist Vergangenheit. „Alphatiere“ verzeichnet der aktuelle Duden bisher nur als zoologischen Begriff. Im Berliner „Politsprech“ soll er Politiker charakterisieren, die stärker sind als andere, denen Populismus zwar nicht ganz fremd ist, die aber nicht nur nach Wählerstimmen angeln.

Merkel und Steinbrück haben sich beide schon ein Stück von ihren Parteien entfernt. Man könnte ihnen das Kompliment machen, dass sie mehr an das Land und nicht immer gleich an die Partei denken. Merkel kann sich das (noch) leisten. Steinbrück war zu keiner Zeit der Liebling seiner Partei. Wie sagte der selige Franz Josef Strauß: „Wer jedermanns Darling sein will, ist bald jedermanns Arschloch.“ Richtig, findet Steinbrück. Doch es wird immer schwieriger für ihn. Immerhin steht er in der Hierarchie der SPD ganz weit oben. An der Basis haben ihn einige Genossen schon mal einen verkappten Neoliberalen gescholten.

Die SPD liest in Umfragen, dass die meisten Deutschen der Großen Koalition überdrüssig sind. Augenblicksaufnahmen. Die „Alphatiere“ eint das Ziel, die Stabilität des Regierens zu sichern. Der beliebte Außenminister Steinmeier ist Dritter im Bunde. Schade, das Mehrheitswahlrecht ist lange schon eine Chimäre Mit ihm hätten wir klare Fronten. Und die SPD wäre ihren Plagegeist Oskar los, weil mit einem solchen Wahlrecht die Linkspartei nicht zum Zünglein an der Waage werden dürfte.

Der Wähler, das unbekannte Wesen, verlangt nach Sicherheit, im weitesten Wortsinn. Wenn es die nur bei einem Zusammengehen der „Alphatiere“, also der Fähigsten, von CDU und SPD geben kann, die Demokratie wird daran nicht Schaden nehmen.