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NWZonline.de Nachrichten Politik

Gewinnen konnte nur einer

23.08.2019

Berlin Die beiden Herren im Vordergrund links lächeln breit, der Dritte im Bunde steht weiter rechts und zeigt ein Pokerface. Kurz vor dem Foto-Termin ist dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop, Sowjetherrscher Josef Stalin und dessen Außenminister Wjatscheslaw Molotow ein spektakulärer Coup gelungen: In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1939, vor 80 Jahren, haben Ribbentrop und Molotow in Moskau den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt unterzeichnet. Stalin ist bei den Verhandlungen dabei – im Gegensatz zu Adolf Hitler.

Wahnidee

Faschismus und Kommunismus vereint für die „Sache des Friedens“? Kaum vorstellbar. „All the isms have become wasms – Alle diese Ismen haben sich jetzt überlebt“, kommentierte damals ein britischer Diplomat die Wende. Ein Blick auf die Vorgeschichte offenbart aber auch: Hitler wie Stalin hatten ihre Gründe für die Annäherung.

Spätestens seit Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 1936 wuchs Hitlers Wahn vor einer Einkreisung durch die Sowjetunion im Osten und die Nachbarn im Westen: „Gelingt es wirklich, ein kommunistisches Spanien zu schaffen, so ist bei der derzeitigen Lage in Frankreich die Bolschewisierung auch dieses Landes nur eine Frage kurzer Zeit, und dann kann Deutschland ,einpacken‘.“ Vor diesem Hintergrund hoffte Hitler, Großbritannien für ein Bündnis zu gewinnen, um zugleich den „Lebensraum“ des deutschen Volkes Richtung Osten zu erweitern.

Die Briten setzten dagegen auf eine Politik der Deeskalation – auch als das NS-Regime 1938 den „Anschluss“ Österreichs betrieb und nach den sudetendeutschen Gebieten in der Tschechoslowakei griff. Das zu diesem Zweck geschlossene Münchner Abkommen allerdings zeigte dem Historiker Ralf Georg Reuth zufolge, „dass ein weiteres deutsches Ausgreifen nach Osten mit Großbritannien nur schwerlich zu machen sein würde“.

Hitlers „Griff nach Prag“– die Zerschlagung der „Rest­tschechei“ – und der Einmarsch der Wehrmacht ins litauische Memelgebiet im März 1939 verschärften die Gegensätze. Auch der Plan, Polen „in die Rolle eines antisowjetischen Juniorpartners zu drängen“ scheiterte, wie Reuth darlegt. Stattdessen nahmen die deutsch-polnischen Spannungen zu. Zum Brennpunkt geriet das seit 1920 unter Ägide des Völkerbunds stehende Danzig. Das NS-Regime verlangte eine Rückkehr der Stadt ins Reich. Ein Ansinnen, dem sich die Polen hartnäckig verweigerten, zeigt der britische Historiker Ian Kershaw auf.

Endkampf

Wollte Hitler seine Pläne – Expansion nach Osten bei gleichzeitiger Vermeidung eines Zweifrontenkrieges mit Großbritannien und Frankreich – umsetzen, blieb einstweilen nur noch eine Verständigung mit der Sowjetunion, deren Herrscher Stalin sich ebenfalls von Feinden umzingelt wähnte. Im Osten lieferten sich sowjetischen Truppen Kämpfe mit japanischen Streitkräften, im Westen fürchtete er einen polnisch-deutschen Ausgleich.

Beide Diktatoren rechneten mittelfristig mit einem Endkampf zwischen ihren beiden Ländern. Zuvor jedoch wollte Stalin im Schatten eines Krieges zwischen den Westmächten und Deutschland seinen Einfluss nach Mitteleuropa ausbauen. Zugleich war er sich im Klaren darüber, „dass sein nationalsozialistischer Widerpart die Sowjetunion angreifen würde, wenn dieser die Rückenfreiheit im Westen errungen haben würde“, wie Reuth bilanziert.

Hitler wiederum betonte am 11. August 1939, knapp zwei Wochen vor Abschluss des Pakts, gegenüber dem Hohen Kommissar für Danzig, Carl Jacob Burckhardt: „Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet.“

„Hitler spielte Vabanque – angetrieben von seiner Wahnidee und der Furcht, nicht mehr genug Zeit zu haben, diese zu realisieren“, erklärt Reuth. „Stalin handelte kalt kalkulierend im Stile eines vorsichtigen Machtpolitikers; denn gewinnen konnte bei dem Pakt nur einer.“

Erster Verlierer waren die Polen. In einem geheimen Zusatzprotokoll legten die Vertragspartner die „beiderseitigen Interessensphären in Osteuropa fest“. Die Bühne für den Zweiten Weltkrieg war bereitet.

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