BERLIN - Politiker und Wissenschaftler fordern anlässlich des Mauerbaus vor 47 Jahren eine intensivere Auseinandersetzung mit der DDR in Schulen und Familien. Die Wissenslücken deutscher Jugendlicher bei dem Thema seien „erschreckend“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Der für den Aufbau Ost zuständige Minister Wolfgang Tiefensee und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (beide SPD) warnten vor einer Verharmlosung der DDR und plädierten für eine bessere Aufklärung.

Auch der Wissenschaftler Klaus Schroeder forderte, der DDR-Unterricht in Deutschland müsse „lebendiger“ werden. Eine Studie seiner Forschungsstelle hatte kürzlich ergeben, dass viele Schüler in Deutschland ein mangelhaftes Bild von der DDR haben.

Offenbar sei in Familien, Schulen und der Öffentlichkeit zu wenig über das Thema gesprochen worden, sagte Böhmer. Einige Zusammenhänge müssten deutlich bleiben. Die Mauer sei am 13. August 1961 nicht „aus purer Freude an Schikanen“ gebaut worden, sondern weil täglich Tausende Menschen freiwillig die DDR verlassen hätten.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) mahnte, die „Untaten der SED“ dürfe man nicht vergessen. Die Partei habe unter anderem „diese grauenhafte Mauer gebaut und Millionen Menschen eingesperrt“.

Tiefensee sagte, die DDR und das SED-Regime würden zum Teil demagogisch verharmlost. Dies sei „überaus gefährlich“. Eine Aufarbeitung in Elternhäusern, Schulen und den Medien müsse dem gegensteuern. Auch Ringstorff warnte vor einer Verklärung der DDR-Geschichte. Ein kritischer und unverfälschter Umgang mit 40 Jahren DDR müsse eine dauerhafte Aufgabe in Schulen und Familien sein. Unter anderem müssten die Lehrpläne überarbeitet werden.

FDP-Vize Cornelia Pieper forderte einen „anschaulicheren“ Unterricht zur DDR und schlug persönliche Gespräche mit Betroffenen vor.

Auch der DDR-Forscher Schroeder plädierte dafür, dass Schulklassen mehr Gedenkstätten besuchen oder mit Zeitzeugen sprechen. Außerdem müsse in den Lehrplänen festgeschrieben werden, dass auch die „negativen Aspekte“ der DDR ausdrücklich behandelt würden, sagte der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat.