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NWZonline.de Nachrichten Politik

„Gelber Schein“ hat ausgedient

19.09.2019

Berlin Keine „gelben Scheine“ mehr, statt dessen eine digitale Krankmeldung – und bei Hotelübernachtungen sollen Gäste künftig keine Meldescheine mehr auf Papier ausfüllen müssen. Die schwarz-rote Koalition will für weniger Bürokratie Schluss machen mit der „Zettelwirtschaft“. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einer guten Nachricht für viele Bürger, aber auch viele Firmen. Es gehe um Entlastungen von rund 1,1 Milliarden Euro. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Wer sich bisher vom Arzt krankschreiben lässt, bekommt eine Bescheinigung auf gelbem Papier – daher der Name „gelber Schein“. Die Krankmeldung besteht aus mehreren Bescheinigungen. Eine muss an den Arbeitgeber geschickt werden, eine an die Krankenkasse, eine ist für die persönlichen Akten bestimmt. Bei der Techniker Krankenkasse gibt es bereits ein Pilotprojekt für eine digitale Krankmeldung.

Ab 2021

Dies soll von Anfang 2021 an für alle gesetzlich Versicherten gelten – die Krankmeldung soll dann digital übermittelt werden. Künftig sollen die Krankenkassen den Arbeitgeber elektronisch über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit seines Arbeitnehmers informieren.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte: „Mit dem Abrufverfahren für eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsmeldung entlasten wir ab Jahresbeginn 2021 die Arbeitgeber um rund 550 Millionen Euro pro Jahr. Doch auch die Arbeitnehmer profitieren, denn sie sparen von da an jährlich Zeit und Mühe – geschätzt rund 19 Millionen Stunden und 77 Millionen Euro Versandkosten.“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits eine Neuregelung auf den Weg gebracht, dass die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen ab 2021 von den behandelnden Ärzten an die Krankenkassen nur noch digital übermittelt werden sollen. Diese Regelung soll nun dadurch ergänzt werden, dass die Bescheinigung auch an den Arbeitgeber digital übermittelt wird. Im Jahr 2017 wurden rund 77 Millionen Bescheinigungen ausgestellt – diese Angaben stammen vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbands sagte: „Mit dem eingeschlagenen Weg wird der Bürokratieaufwand verringert und der Weg in die Digitalisierung fortgesetzt.“ Künftig müsse es aber noch einen Schritt weitergehen – für die Versicherten müsse eine „rechtssichere Speicherung“ der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in einer elektronischen Patientenakte auf freiwilliger Basis möglich sein.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sei für die Arbeitnehmer nur eine Entlastung, wenn es mit der Übermittlung technisch störungsfrei klappe.

Digitales Nirwana

Es dürfe nicht sein, dass der Arbeitgeber am Ende den Arbeitnehmer belange, falls die elektronische Arbeitsunfähigkeitsmeldung im „digitalen Nirwana“ verschwinde.

Die Koalition plant neben der digitalen Krankmeldung weitere Entlastungen von Bürokratie. So soll es künftig bei elektronisch gespeicherten Steuerunterlagen Erleichterungen geben.

Bei Hotelübernachtungen etwa soll es künftig einen digitalen Meldeschein geben. In Deutschland ist jeder Gastgeber, vom Hotelier über die Vermieter von Ferienwohnungen bis zum Anbieter von Campingplätzen verpflichtet, von jedem Gast einen Meldeschein ausfüllen zu lassen. „Geschätzt fallen im Jahr rund 150 Millionen Meldescheine an, was erhebliche Kosten bei der Hotellerie verursacht“, heißt es im Gesetzentwurf.

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