BERLIN - Guineas Junta-Chef Oberst Moussa Camara, dessen Sicherheitskräfte eine Demonstration blutig niedergeschlagen haben, wurde vier Jahre in Deutschland militärisch ausgebildet. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. Der Schwerpunkt sei die Ausbildung zum Kompaniechef gewesen. Camara sei im Zeitraum von 1996 bis 2005 insgesamt vier Jahre an der Offiziersschule Dresden und an der Nachschubschule in Bremen gewesen. Deutsch habe er am Bundessprachenamt gelernt.

Nach Augenzeugenberichten hatten am Montag Sicherheitskräfte der Militärregierung in der westafrikanischen Republik mit äußerster Brutalität eine verbotene Demonstration mit 50 000 Menschen zerschlagen und mehr als 150 Demonstranten getötet. Die Kundgebung hatte sich gegen Camaras Militärregierung gerichtet, die nach dem Tod von Präsident Lansana Conte 2008 in einem unblutigen Putsch die Macht übernommen hatte. Jüngst mehrten sich Hinweise, dass Camara bei den Wahlen am 31. Januar 2010 das Präsidentenamt anstrebt, statt wie zuvor in Aussicht gestellt einer Zivilregierung Platz zu machen.

Das ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika berichtete, der damalige Putsch sei „Le Putsch Allemand“ (der deutsche Putsch) genannt worden, weil Camara ihn mit einigen Vertrauten auf Deutsch vorbereitet haben soll – eine Sprache, die sonst kaum jemand in Guinea spreche. An seinem roten Barrett stecke stets ein Abzeichen der deutschen Fallschirmspringer. Bei einer Fernsehdiskussion habe Camara kürzlich gesagt: „Ich habe in Deutschland meine Grundausbildung gemacht! Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, werde ich das als Präsident tun. Die Bundeskanzlerin soll mich empfangen – das ist das Mindeste, was ich an Respekt erwarte!“

Am Dienstag hatte Camara gesagt, für die Übergriffe seien unkontrollierbare Soldaten verantwortlich. Das Auswärtige Amt in Berlin verlangt „rückhaltlose Aufklärung der Ereignisse sowie eine Bestrafung der Schuldigen“ und bestellte am Dienstag den Geschäftsträger von Guineas Botschaft in Berlin ein.

Aus Regierungskreisen verlautete, militärische Ausbildungshilfe für ausländische Offiziere solle die Demokratie fördern. Die Regierung sei nicht verantwortlich dafür, wenn die Offiziere in ihren Ländern eine andere Richtung einschlügen.

Die Gegner der Militärjunta wollen ihre Proteste fortsetzen. „Wir haben für einen Wandel gekämpft, jetzt können wir uns nicht zurückziehen“, sagte einer der Oppositionsführer des Landes, Alpha Conde, dem britischen Rundfunksender BBC.