BERLIN - Der Hanauer Unternehmer Jürgen Heraeus soll das deutsche Kinderhilfswerk Unicef aus der Vertrauenskrise führen. Als neuer Vorsitzender folgt der 71-Jährige auf Heide Simonis, die ebenso wie Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs nach Verschwendungsvorwürfen und verschwiegenen Provisionen zurückgetreten war.

Heraeus kündigte nach seiner Wahl eine umfassende Reform der deutschen Unicef-Strukturen an. So sollen Vorstand und Geschäftsführung getrennt werden. Als wichtiges Anliegen nannte er die Zurückgewinnung von verunsicherten Großspendern, Förderern und ehrenamtlichen Helfern. Unicef habe Fehler gemacht. „Es hat aber niemand in die Kasse gegriffen“, betonte Heraeus.

Heraeus ist promovierter Betriebswirt und hat sein Hanauer Familienunternehmen zu einem Konzern mit mehr als 11 000 Mitarbeitern und gut zehn Milliarden Euro Jahresumsatz ausgebaut. Er betont gern, dass es sich nicht um eine Aktiengesellschaft handelt – und dass er auch kein Freund hoher Managergehälter sei. Zu Heraeus’ Stellvertretern wurden die ehemalige Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoff und die Journalistin Maria von Welser gewählt.

Sie betonten, dass Unicef Transparenz schaffen und das Vertrauen der Spender wiedergewinnen müsse. Einen neuen Geschäftsführer will Unicef noch suchen. Der Vorstand war am Donnerstag neu gewählt worden. Die größte Krise seiner bisherigen Geschichte bis hin zur Aberkennung des Spendensiegels hat Unicef Deutschland bisher mit einem Spendenrückgang von sieben Millionen Euro bezahlt.

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