BERLIN/HANNOVER - Glückwünsche aus dem Willy-Brandt-Haus: Die SPD-Spitzengenossen gratulieren einträchtig Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu dessen 65. Geburtstag an diesem Dienstag. SPD-Chef Franz Müntefering setzt sogar auf Schröders Unterstützung im Bundestagswahlkampf: „Ich bin sicher, Du hilfst mit und feierst dann mit.“

Die Rastlosigkeit hat den Feiernden nicht losgelassen. So ganz außer Diensten fühlt sich Gerhard Schröder noch nicht, auch politisch. Doch manches ist längst auch weit weg. Gerade erst ist der Ex-Kanzler aus China und Vietnam zurückgekommen. Wie es Schröder gewohnt ist, wurde er in Hanoi vom Regierungschef empfangen, um den Besuch von deutschen Wirtschaftsbossen vorzubereiten. Seine Stimme zumindest im Ausland, nicht nur in Moskau, Peking oder Teheran, ist weiter gefragt.

Ja, er sei immer noch viel auf Achse, erzählt Schröder in seinem Berliner Büro Unter den Linden: „Das bringen die Dinge so mit sich, die ich beruflich tue.“ Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Bücher, an den Wänden hängen Bilder, von seinen Kindern gemalt, und Skizzen seines Lieblingskünstlers Markus Lüpertz.

In den nächsten Wochen wird er mit diesen Aktivitäten etwas kürzer treten. Am Sonnabend nach Ostern will er seinen Geburtstag nachträglich feiern, eine „sehr private Feier“, wie Schröder betont, zu der alte Weggefährten und viele persönliche Freunde kommen. Genaueres verrät er nicht. Wie es heißt, sollen auf der Gästeliste im Hotel „Seefugium“ in Isernhagen bei Hannover etwa der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac stehen. Ein Überraschungsbesuch von Russlands Präsident Wladimir Putin, der zu Schröders 60. Geburtstag mit einem Kosakenchor anreiste, wird nicht ausgeschlossen.

Bald danach fährt der Umzugswagen vor. Die Schröders und die drei Kinder verlassen das Zooviertel in Hannover. „Wir bauen gerade ein älteres Haus um“, berichtet er. Der neue Wohnsitz liegt im Stadtteil Waldhausen. Bei den neuen Nachbarn haben sie sich schon vorgestellt.

Vieles sieht Schröder dreieinhalb Jahre nach dem Abgang als Kanzler mit einer gewissen Distanz und mehr aus Sicht des Zeitungslesers. Anders als früher scheint er nicht mehr über jeden Vorgang, der sich in der Partei oder Fraktion abspielt, genau im Bild zu sein. An sein Versprechen zum Abschied, sich künftig nicht mehr offen oder als Drahtzieher hinter den Kulissen in SPD-Dinge einzumischen, habe er sich bislang strikt gehalten.