• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
E-Paper wird an diesem Freitag für Sie freigeschaltet
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 29 Minuten.

Mögliche Verzögerungen Bei Gedruckter Nwz
E-Paper wird an diesem Freitag für Sie freigeschaltet

NWZonline.de Nachrichten Politik

Radikalkur für Krankenhäuser?

16.07.2019

Berlin /Hannover In Deutschland gibt es nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung viel zu viele Krankenhäuser, ohne dass die Patienten damit medizinisch besser versorgt seien. Mit dieser Kernthese hat die Bertelsmann Stiftung eine heftige Debatte über Reformen im Krankenhauswesen losgetreten. „Eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1400 auf deutlich unter 600 Häuser würde die Qualität der Versorgung verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern“, lautet der zentrale Befund der Stiftung.

Die aktuelle Lage beschreiben die Experten düster: Viele Kliniken seien defizitär, es fehle an Pflegepersonal, und zudem stellten die Bundesländer zu wenig Geld für die notwendigen Investitionen bereit. Das mache ein Handeln nötig.

Heftiger Protest

Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt nannte den Vorschlag „mehr als befremdlich“. Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund betonte: „Versorgungsprobleme werden nicht dadurch gelöst, dass pauschal regionale, leicht zugängliche Versorgungskapazitäten ausgedünnt werden.“

Bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Spitzenorganisation der Krankenhaus-Träger, stieß die Studie ebenfalls auf heftige Kritik: Wer das vorschlage, propagiere die Zerstörung der sozialen Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß. Gerade in einem Flächenland sei die schnelle Erreichbarkeit der Kliniken von großer Bedeutung, teilte auch die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) mit. „Abbau und Zentralisierung von Krankenhäusern sind keine flächendeckende Option“, sagte Marten Bielefeld, Vize-Geschäftsführer der NKG.

„Es braucht eine gut erreichbare Grundversorgung vor Ort ebenso wie eine Hochleistungsmedizin in der Region“, betonte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung für Patientenschutz. „Über die Hälfte der Krankenhäuser zu schließen, ist kein Konzept, sondern Kahlschlag. Das mag wissenschaftlich begründet sein, wäre für die Menschen aber verheerend“, kritisierte er. Es gehe auch gar nicht immer um komplizierte Operationen. Die Versorgung müsse auch für Patienten sichergestellt werden, die in der Klinik keine Maximaltherapie benötigten. „Das sind vor allem alte, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen.“ Mehr als 60 Prozent aller Klinikpatienten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich für einen Mix aus wohnortnaher Versorgung und Spezialisierung aus. „Nicht jedes Krankenhaus muss alles machen. Hier sollten wir unsere Kräfte besser bündeln“, sagte er. Spahn hatte zuletzt die Bedeutung von regionalen Krankenhäusern unterstrichen. Krankenhäuser in dünn besiedelten Regionen – es geht um rund 120 Kliniken – sollen daher ab dem nächsten Jahr mit zusätzlich 400 000 Euro im Jahr pro Haus gefördert werden.

Weitreichende Forderung

Die Autoren der Bertelsmann-Studie sehen hingegen keinen festen Zusammenhang zwischen der Zahl von Kliniken und der Qualität der medizinischen Versorgung – im Gegenteil. Aktuell seien viele Krankenhäuser einfach zu klein. Häufig verfügten sie auch nicht über die nötige Ausstattung und fachliche Erfahrungen, um in lebensbedrohlichen Situationen rasch handeln zu können. „Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Häusern vermeiden“, so die Schlussfolgerung.

Zu einem ähnlichen Schluss war bereits Ende Juni der wissenschaftliche Leiter des Gesundheitsökonomischen Zentrums Berlin, Reinhard Busse, gekommen. Er hatte der Enquetekommission des Landtags in Hannover vorgeschlagen, Niedersachsens Krankenhauslandschaft radikal umzubauen. Das Land könne mit etwa 36 Kliniken auskommen, rechnete er vor. Derzeit sind es 172.

Grafik zum Thema als PDF.

Gernot Heller Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
Rufen Sie mich an:
0511/1612315
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.