Berlin/Hannover - Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zieht’s in den Olymp der SPD: Der 57-Jähriger aus dem Bezirk Weser Ems kandidiert für den Vorstand der Bundes-SPD auf dem morgen beginnenden Bundesparteitag in Berlin. Die Aussichten für die Wahl am Freitag stehen ausgesprochen gut für den Osnabrücker. Zwischen den mächtigen Landesverbänden aus Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es ausgesprochen gute Kontakte. Motto: Man kennt sich, man wählt sich.

Pistorius wäre damit der einzige Sozialdemokrat in der Top-Ebene der SPD, der aus dem Nordwesten kommt. Früher gehörte auch Garrelt Duin (Hinte) dazu.

Nicht ausgeschlossen, dass Niedersachsens Innenminister in die SPD-Verhandlungskommission berufen wird, wenn es zu Gesprächen mit der CDU über eine Große Koalition kommt. Pistorius hat bereits vor der Bundestagswahl in großen Teilen das SPD-Programm zur Inneren Sicherheit mitgeschrieben. Der Niedersachse fungiert derzeit auch als Sprecher aller SPD-Innenpolitiker bundesweit. Längst reifen Spekulationen, dass Pistorius in einer Großen Koalition auch bei der Vergabe von Ministerposten eine wichtige Rolle spielen könnte – wie einst Otto Schily (SPD) als Bundesinnenminister in der Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Mit Pistorius stehen weitere Niedersachsen auf der Kandidatenliste für den Bundesvorstand. Dazu gehört der Sprecher der Parlamentarischen Linken im Bundestag, Matthias Miersch (48). Der Unterbezirksvorsitzende aus Hannover war an den Koalitionsverhandlungen mit den CDU in Niedersachsen vor einigen Wochen als Experte für Umweltpolitik beteiligt.

Auch Gabriele Lösekrug-Möller (66) aus Hameln zieht’s wieder in das höchste SPD-Gremium. Die frühere Staatssekretärin im Sozialministerium – Spitzname: „LöMö“ – war an den letzten Verhandlungen zur Großen Koalition beteiligt für den Bereich Sozialpolitik.

Das Kandidaten-Quartett vervollständigt Hubertus Heil (45). Der Braunschweiger Bezirkschef gehört schon lange zur Führungsriege der SPD-Bundestagsfraktion. Erst vor wenigen Tagen wurde Heil zum stellvertretenden Fraktionschef gewählt.

Gespannt wartet Lars Klingbeil (39) aus Munster auf sein Wahlergebnis. Parteichef Martin Schulz hat den jungen Niedersachsen als neuen Generalsekretär der Partei vorgeschlagen. Es gibt keinen Gegenkandidaten.