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NWZonline.de Nachrichten Politik

Es summt und brummt immer weniger

09.01.2020

Berlin /Hannover Immer weniger Honigbienen, Kornkäfer und Zitronenfalter – das Insektensterben nimmt stark zu, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das geht aus dem Insektenatlas 2020 des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

„Der globale Schwund von Insekten ist dramatisch. Ursache Nummer Eins ist die industrielle Landwirtschaft“, sagte die Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung, Barbara Unmüßig. Die Hintergründe zum Insektenatlas:

Zu welchem Ergebnis kommt der Insektenatlas?

Der Bericht fasst verschiedene Untersuchungen zusammen. Demnach ist bei der Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland die Population rückgängig. Zugleich seien viele Pflanzen auf die Bestäubung angewiesen, ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel hänge von der Bestäubung durch Insekten ab. Für die Bodenqualität seien Käfer und Co. wichtig, da sie die Erde auflockerten.

„Durch die Bestäubungsleistung und die Verbesserung der Böden sind Insekten für die Landwirtschaft unabdingbar, aber durch sie auch stark gefährdet“, heißt es. „Mehr Schutz der Artenvielfalt in Agrarlandschaften ist nötig“, fordern die Autoren. Denn Insekten seien aus dem Ökosystem nicht wegzudenken.

Welche Maßnahmen
sollen ergriffen werden
?

Die Autoren kritisieren die Zunahme an Pestiziden. „Weltweit ist die Menge der eingesetzten Pestizide seit 1950 um das Fünfzigfache gestiegen“, heißt es. Dies sei auch ein Wirtschaftsfaktor. Der weltweite Umsatz habe 2018 bei 56,5 Milliarden Euro gelegen, woran auch die deutschen Chemiekonzerne Bayer und BASF zu einem großen Teil beteiligt seien.

Stiftungs-Vorsitzende Unmüßig kritisierte, dass deutsche Konzerne mit schädlichen Pestiziden Geld verdienen. „In der EU längst verbotene oder nicht mehr lizenzierte Pestizide der großen Chemieunternehmen wie Bayer und BASF werden global weiterhin fast unbeschränkt gehandelt.“ In Kenia würden fast 50 Prozent der Pestizide hochgiftig für Bienen sein, in Brasilien 30 Prozent. Das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten nannte Unmüßig „verantwortungslos“. Es gebe darin Zollvergünstigungen für Chemieprodukte, unter die auch Pestizide fallen würden.

Darüber hinaus fordern BUND und Heinrich-Böll-Stiftung Hecken und „Grüninseln“, um auf Felder neuen Lebensraum für Insekten zu schaffen. BUND-Chef Olaf Bandt plädierte zudem für höhere Erzeugerpreise. „Insektenschutz wird bislang nicht an der Ladenkasse bezahlt, Bauern bekommen ihn nicht entlohnt“, kritisierte er.

Wie lauten
die Reaktionen
?

Das Bundesumweltministerium verwies auf das Aktionsprogramm Insektenschutz, mit dem die Regierung in diesem Jahr 100 Millionen Euro zum Schutz von Insekten investieren werde. Das Ministerium bereite darüber hinaus ein Insektenschutzgesetz vor.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, die Bundesregierung plane, ein bundesweites Insektenmonitoring zu entwickeln. „Wir brauchen eine wissenschaftliche Basis, um sowohl Ursachen als auch Maßnahmen verlässlich beurteilen zu können“, erläuterte sie.

Der Deutsche Bauernverband teilte mit, er erkenne, dass Handlungsbedarf bestehe – auch in der Landwirtschaft. „Wir haben geeignete Maßnahmen entwickelt und werden diese weiter in die Fläche bringen“, sagte Präsident Joachim Ruckwied und nannte etwa Blühstreifen.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte, den Einsatz gegen das Insektensterben deutlich zu verstärken. „Dazu können wir alle auch persönlich eine Menge beitragen. Es muss uns allerdings auch gelingen, die Landwirtschaft als Partner zu gewinnen.“ Dazu gehöre dann auch, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren.

Annette Dönisch Korrespondentenbüro Berlin
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