BERLIN - Sabine Christiansen strahlt in Kameras und Objektive – so als wolle sie die Vorwürfe, die internen Querelen, die heftigen Sorgen um den Vertrauensverlust bei den Spendern und den Massen-Exodus von Fördermitgliedern einfach weglächeln. Kameras klicken, die Journalisten drängen sich in einem viel zu kleinen Saal: Vier Tage nach dem Rücktritt von Heide Simonis als Chefin von Unicef Deutschland hat das Kinderhilfswerk zur Pressekonferenz eingeladen.

Die Flucht nach vorn nach dem Wirbel der vergangenen Tage? Werden endlich Konsequenzen aus den Vorgängen gezogen? Es gehe zwar um „immens große Fehler“, sagt Unicef-Botschafterin Christiansen. Seit 15 Jahren ist sie engagiert für das Kinderhilfswerk und traurig, weil durch die Fehler der Vergangenheit die jahrzehntelange Arbeit für Kinder beschädigt worden sei. Doch auf eine Feststellung legt die TV-Moderatorin dann doch wert: „Hier sind keine Spenden veruntreut worden.“

Reinhard Schlagintweit, Simonis' Vorgänger und jetzt zumindest übergangsweise ihr Nachfolger an der Spitze der deutschen Sektion der Organisation, wirkt nervös an diesem Morgen. Der 79-jährige stellt sich demonstrativ vor den umstrittenen Geschäftsführer Dietrich Garlichs, verteidigt ihn gegen Kritik. Der übernimmt zwar Verantwortung für Schlampereien und Fehler bei der Einwerbung von Spenden, aber an Rücktritt denkt er nicht.

Ein Sechs-Punkte-Programm haben sie im Vorstand von Unicef Deutschland aufgeschrieben. Zentrales Vorhaben sind dabei die Entwicklung eines Leitbildes, interne Kontrollmechanismen und strenge Standards für das Akquirieren von Spenden. Vertrauen zurückgewinnen und einen Neuanfang versuchen, so die Devise bei den Verantwortlichen des Kinderhilfswerks. Ob die Versprechen tragen? „Wir sind in einer tiefen Krise“, erklärt Schlagintweit, der die bisherige Spendenpraxis von Unicef weiterhin gegen Kritik verteidigt. Dass Honorare für das Einwerben von Großspenden gezahlt würden, sei nicht unüblich. Schlagintweit kritisiert auch das Krisenmanagement von Heide Simonis, spricht gar vom „Problem Simonis“.

Wegen der internen Querelen bei Unicef kehren immer mehr Stammspender dem UN-Kinderhilfswerk den Rücken. Die deutsche Sektion der Hilfsorganisation habe infolge der Vertrauenskrise inzwischen etwa 10 000 von insgesamt 200 000 regelmäßigen Geldgebern verloren, sagte Unicef-Sprecherin Helga Kuhn.

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