BERLIN - BERLIN/AFP - Nach mehr als einer Woche ohne Nachricht von der im Irak entführten Deutschen Susanne Osthoff wächst in Deutschland das Engagement für eine Freilassung der Geisel. Zahlreiche Prominente richteten in einer Sonntagszeitung einen gemeinsamen Appell an die Entführer der Archäologin. Der Aufruf war u.a. von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und führenden Moslem-Vertretern in Deutschland unterzeichnet worden. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt tagt regelmäßig. Kontakt zu den Entführern konnte laut Bundesregierung nicht hergestellt werden.

„Unser Land nimmt Anteil“ an Osthoffs Schicksal, sagte Merkel. Die Bundesregierung setze alles daran, das Leben der 43-Jährigen und ihres irakischen Begleiters zu retten. In der Zeitung setzten sich auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für Osthoff ein. Weitere Unterzeichner waren DGB-Chef Michael Sommer, FDP-Chef Guido Westerwelle und Grünen-Chefin Claudia Roth.

Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Ali Kizilkaya, verurteilte im Namen der Moslems in Deutschland die Geiselnahme als „terroristisch“. Der Bundesregierung und dem Krisenstab sicherte er „unsere volle Unterstützung“ zu. Zuvor hatte die größte moslemische Dachorganisation, die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion, der Bundesregierung ihre Hilfe angeboten. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, forderte in einem Schreiben an die diese Woche stattfindende Gipfelkonferenz der Islamischen Staaten in Mekka eine Verurteilung der Entführung von Osthoff. Zugleich appellierte er an die Führer der islamischen Welt, mit ihrer Haltung „ein deutliches Signal gegen Missbrauch der friedliebenden Lehre des Islam durch Verbrecher zu setzen“.

Um Kontakt zu den Entführern aufzunehmen, setzt die Bundesregierung laut „Spiegel“ unter anderem auf kurdische Vermittler und den sunnitischen Geistlichen Abd el Muneim el Badari.