BERLIN - Das Schicksal von mehr als einer halben Million ehemaliger Heimkinder im Nachkriegsdeutschland wird jetzt aufgearbeitet. Dabei soll an einem sogenannten Runden Tisch auch über Entschädigungen für Zwangsarbeiten gesprochen werden, die die Jugendlichen in Werkstätten, beim Torfstechen oder in Wäschereien verrichten mussten.

Eines der dunkelsten pädagogischen Kapitel in den Anfangsjahren der Bundesrepublik werde nun aufgeklärt, sagte die Leiterin des Runden Tisches, die frühere Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne), beim ersten Treffen am Dienstag in Berlin.

Der Runde Tisch ist auf Beschluss des Bundestages eingesetzt worden, nachdem sich Betroffene vor gut zweieinhalb Jahren an den Petitionsausschuss gewandt hatten. Daran beteiligt sind Vertreter ehemaliger Heimkinder, soziale Verbände, die Kirchen, Länder und Kommunen sowie das Bundesfamilienministerium. Noch bis Mitte der 70er Jahre waren in Westdeutschland Kinder und Heranwachsende in Heime eingewiesen worden.