BERLIN/KABUL/HANNOVER - Die Bundeswehr bereitet sich darauf vor, im Sommer erstmals die Verantwortung für einen speziellen Kampfverband der NATO in Nordafghanistan zu übernehmen. Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) bestätigte eine entsprechende Anfrage aus Brüssel: „Es ist noch nichts entschieden. Wir prüfen noch“, sagte er der NWZ . Auf der NATO-Tagung am 7. und 8. Februar in der litauischen Hauptstadt Vilnius werde man einen Vorschlag präsentieren. „Dort fällt die Entscheidung.“

Der Kommandeur der in Niedersachsen stationierten 1. Panzerdivision, Generalmajor Wolf Langheld, sagte, seine Truppe sei für die Entsendung der etwa 250 Mann starken Schnellen Eingreiftruppe gerüstet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einem Besuch in Kabul, die Bundeswehr würde schon jetzt in Afghanistan „schützen, helfen, vermitteln und kämpfen“.

Zweifel an der Qualität der Ausrüstung äußerte im NWZ -Interview der Chef des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz. Es fehle an geeigneten Fahrzeugen und Kommunikationselektronik.

Grünen-Wehrexperte Winfried Nachtwei warnte vor dem Einsatz einer Schnellen Eingreiftruppe der Bundeswehr außerhalb von Nordafghanistan. Es gebe „massive Interessen“ in der NATO, die Bundeswehr in Richtung Süden Afghanistans zu ziehen. Am Dienstag hatte Kanada damit gedroht, seine Truppen aus Südafghanistan zurückzuziehen, wenn es keine Unterstützung anderer NATO-Staaten gebe. Laut Kossendey berührt die Abzugsdrohung den deutschen Einsatz nicht. „Das Bundestagsmandat sagt, dass wir im Norden bleiben. Und das wollen wir auch.“

Interview, S.2

Kommentar, S.4