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NWZonline.de Nachrichten Politik

Hunderte Neonazis auf freiem Fuß

05.12.2018

Berlin Hunderte Rechtsextremisten sind bundesweit auf freiem Fuß, obwohl Haftbefehle gegen sie vorliegen. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor, über die zuerst die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) berichtet hatte. Demnach wurde Ende September nach 467 Rechtsextremisten per Haftbefehl gefahndet, ohne dass die Sicherheitsbehörden die Beschuldigten auffinden konnten. Nur 108 von ihnen wurden jedoch wegen politisch motivierter Delikte gesucht.

Die Gesamtzahl aller nicht vollstreckten Haftbefehle in Deutschland ist nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) aber erheblich höher – sie liegt demnach bei rund 175 000. Dies sei „ein besorgniserregendes Alarmsignal für die Durchsetzung des Rechts hierzulande“. GdP-Vizechef Jörg Radek sagte, bei den 467 gesuchten Rechtsextremisten handle es sich angesichts der großen Gesamtmenge zwar um eine „relativ kleine Zahl“, der Rechtsstaat müsse aber bei Neonazi-Tätern das Ansehen Deutschlands im Ausland bedenken.

Nach einem deutlichen Anstieg zwischen 2014 und 2016 hat sich die Zahl der per Haftbefehl gesuchten Rechtsextremisten nur gering verändert. Im September 2017 wurden 501 derartige Fälle registriert, bis zum März 2018 war die Zahl auf 457 gesunken.

„Die Sicherheitsbehörden müssen sich endlich einmal etwas einfallen lassen, um der flüchtigen Nazis schneller habhaft zu werden“, forderte Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke. Es sei beunruhigend, „dass es einer dreistelligen Zahl von Neonazis gelingt, sich seit 2017 und teilweise sogar noch länger der Festnahme zu entziehen“.

Bei fast jedem Vierten handelt es sich um einen bekannten Gewalttäter. 110 der 467 gesuchten Rechtsextremisten sind bei den Sicherheitsbehörden als „gewalttätig“ verzeichnet, nach 99 wurde ausdrücklich wegen Gewaltdelikten gefahndet. Jelpke bezeichnete die Zahlen als „alarmierendes Zeichen dafür, dass die Naziszene gewalttätig und kriminell ist und bleibt“. Die Statistik zeigt: Von den wegen Gewaltdelikten gesuchten Neonazis sind nur zwei Personen in der „Gewalttäterdatei rechts“ verzeichnet.

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