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NWZonline.de Nachrichten Politik

Berlin kritisiert russische Pläne für Mini-Reichstag

24.02.2017

Berlin/Moskau (dpa) - Die Bundesregierung findet die russischen Pläne für einen Mini-Reichstag als Spielwiese für militärbegeisterte "Patrioten" befremdlich. Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte in Berlin: "Die Idee ist überraschend und spricht für sich."

Das russische Verteidigungsministerium wies die Kritik als unbegründet zurück und griff deutsche Politiker an.

Russland will den Berliner Reichstag im Militär-Freizeitpark Kubinka westlich von Moskau in kleinerem Maßstab nachbauen, wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch angekündigt hatte. Junge militärbegeisterte Menschen sollen demnach üben, wie man ein Gebäude stürmt. Schoigu sagte, im "Patrioten Park" würden auch weitere Schauplätze des Zweiten Weltkrieges nachgebaut. Die Besucher sollten die Atmosphäre der damaligen Zeit nachfühlen und sich selbst im "Überlebenskampf versuchen" können.

In Berlin löste das Projekt Kritik aus. Deutschland würde etwas Vergleichbares zur "Erziehung und Ertüchtigung der deutschen Jugend nicht unbedingt bauen, und das gilt auch für die Art und Weise, wie das betrieben wird", sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer.

Der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow erwiderte: "Die Attacken dazu von einzelnen deutschen Politikern lösen nicht nur Erstaunen aus, sondern sie werfen auch die Frage auf, welche Haltung sie eigentlich zu den "Erbauern" des Dritten Reiches von 1933 bis 1945 haben."

Zugleich verteidigte er das Projekt als wichtiges Symbol für den Sieg (der Sowjetunion) über Hitler-Deutschland. Das Modell des von erbitterten Kämpfen völlig zerstörten Reichstages solle Bestandteil der militärhistorischen Landschaft des Freizeitparkes werden. "Das Hissen der roten Fahne auf dem Gebäude des nationalsozialistischen Reichstages im Mai 1945 durch Soldaten der Roten Armee ist eines der bedeutendsten Symbole des Sieges über den deutschen Nationalsozialismus", sagte er.

Die Rote Armee hatte den Reichstag im Mai 1945 erobert. Sowjetische Soldaten hinterließen in seinen Mauern Namen und Botschaften - die Schrift ist teilweise noch erhalten.

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