BERLIN - Zum politischen Jahresauftakt der Linken haben die Spitzen von Partei und Fraktion die Beilegung der innerparteilichen Führungsquerelen gefordert. Parteichef Lothar Bisky und Fraktionschef Gregor Gysi riefen am Montag in Berlin zur Geschlossenheit auf, um die gewonnene Stärke nicht aufs Spiel zu setzen. „Vereiniger brauchen wir, und nicht Spalter, Besserwisser und Wichtigtuer“, sagte Gysi.
Zugleich bezichtigte er jedoch den umstrittenen Bundesgeschäftsführer der Partei, Dietmar Bartsch, erstmals öffentlich der Illoyalität gegenüber dem erkrankten Ko-Parteichef Oskar Lafontaine. Das Lager der überwiegend in Ostdeutschland angesiedelten Pragmatiker um Bartsch hatte sich zuletzt heftige Auseinandersetzungen mit den radikaleren Kräften in Westdeutschland geliefert, die Lafontaine unterstützen. Zwei West-Verbände hatten zuletzt Bartschs Rücktritt gefordert.
„Unsere Partei ist von einer Art ideologischer Schweinegrippe befallen worden“, konstatierte Bisky. Der „Wettbewerb, wer der Beste unter den Linken ist“, habe aber der linken Bewegung immer geschadet. „Hören wir auf damit“, appellierte der Parteichef im Kongresszentrum am Alexanderplatz an die Amts- und Mandatsträger aus Bund und Ländern. Die gemeinsam erzielten Erfolge könnten sonst „ganz schnell wieder verspielt“ sein.
Die innerparteiliche Vielfalt müsse als „Reichtum“ begriffen werden, die verschiedenen „Erfahrungswelten“ in Ost und West als „Teil unserer gemeinsamen Identität“, sagte Bisky und mahnte eine Rückbesinnung auf eigentliche Aufgabe an, „dieser Regierung die rote Karte zu zeigen“. Er hoffe, dass dies bald wieder mit Lafontaine an der Spitze der Partei geschehe, sagte Bisky unter großem Applaus.
Lafontaine hatte sich im November wegen einer Krebserkrankung zurückgezogen.
Gysi übermittelte „herzliche Grüße“ von Lafontaine, mit dem er Ende der Woche die Lage sondiert hatte. Gysi zufolge wird Lafontaine künftig „mindestens Landespolitik“ machen und sich so bundespolitisch einbringen. Der Fraktionschef deutete an, dass Lafontaine derzeit zu dieser zurückgenommenen Rolle tendiert. Egal wie es komme, habe die Linke die Aufgabe, „nach vorne zu schauen und nach vorne zu gehen“, stellte Gysi klar. Zugleich beklagte der Fraktionschef, es sei „bei uns ein Klima der Denunziation entstanden, ich finde das unerträglich“.
