Berlin - Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist besorgt – mit Recht. Dabei ist der Grund für seine aktuelle Sorge alles andere als neu: Wenn es zu Weihnachten und zum Jahreswechsel festlich wird im Lande, begibt sich Deutschland im Kampf gegen die Corona-Pandemie, jedenfalls was die Daten angeht, auf schlüpfriges Gelände. Das war schon vor einem Jahr so – und das ist auch dieses Jahr so.
In dieser Zeit meldet das Robert Koch-Institut zwar noch Zahlen zu den Neuinfektionen im Lande, sagt aber gleich vorsorglich dazu, dass diese, wenn nicht nichts, so doch nur wenig aussagen – jedenfalls das Gesamtbild nicht realitätsnah abbilden. Es wird eben, so lautet die Erklärung, während der Feiertage weniger getestet, zum Beispiel nicht in Schulen. Zudem melde nicht jedes Gesundheitsamt in Stadt und Land tagesaktuell und lückenlos Infektionszahlen an das RKI.
Nachvollziehbar ist das sicherlich, erklärt so manches, aber akzeptabel? Eher nicht. Gerade in einer so sensiblen Phase, in der eine neue Virusvariante überall in der Welt für Unruhe sorgt und hektische Bemühungen der Politik auslöst, um die neue Gefahr im Zaum zu halten, bedarf es einer verlässlichen Grundlage. Und wenn die vom geltenden System nicht geliefert werden kann, aus welchen Gründen auch immer, dann muss das eben geändert werden.
Zwölf Monate sollten eigentlich ausreichen, um ein Meldesystem entsprechend aufzurüsten und feiertagstauglich zu machen. Da wird zwischenzeitlich immer mal wieder so getan, gerade von der Politik, als zähle im Kampf gegen die Pandemie jeder Tag, und dann soll das plötzlich in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nicht mehr gelten? Verstehe das, wer will.
