BERLIN - Da stehen sie nun: Klaus Ernst und Gesine Lötzsch. Jenes Duo, das in die großen Fußstapfen Oskar Lafontaines treten soll. Schwere Aufgaben warten auf die Haushaltspolitikerin aus dem Ost-Berliner Bezirk Lichtenberg und den IG-Metall-Funktionär aus dem bayerischen Schweinfurt. Müssen sie doch die Linkspartei nach dem Abtritt des Saarländers von der bundespolitischen Bühne vor neuen Zerreißproben bewahren.

„Einfach den Oskar machen, wird nicht klappen“, betont Ernst. Er weiß welche hohe Erwartungen auf den Schultern der beiden Vorsitzenden in spe lasten. Knapp 72 Stunden nach der Rückzugsankündigung des an Krebs erkrankten Parteichefs haben sich die Genossen neu sortiert. Das Erbe wird auf viele Schultern verteilt.

Statt Leitwolf Lafontaine soll die Linkspartei nun ein Team führen. Eine Tandem-Lösung nicht nur für die Parteispitze: Mit Caren Lay aus Sachsen-Anhalt und dem Hessen Werner Dreibus übernimmt ebenfalls ein Duo die Aufgaben des scheidenden Bundesgeschäftsführers Dietmar Bartsch, der sich nach verlorenem Machtkampf mit Lafontaine zurückzieht.

Eine ganze Nacht hatten die Genossen um das Personaltableau gerungen. Erst um fünf Uhr morgens sei er im Bett gewesen, erinnert sich Gregor Gysi. Aber jetzt sei er „schon ein bisschen stolz“, wollte er doch das Führungsvakuum so schnell wie möglich beenden und so neue Grabenkämpfe verhindern.

Offizielle Kür im Mai

Dem Drängen, selbst die Parteiführung zu übernehmen, habe er nicht nachgegeben, so der Fraktionschef. Müdigkeit, aber auch Erleichterung sind den Mitgliedern der neuen Führungsriege anzumerken, als sie von einem trotz Schlafmangel putzmunteren Gysi präsentiert werden.

Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt dem neuen Spitzenteam nicht. Bis zur offiziellen Kür beim Parteitag im Mai in Rostock müssen sich die Kandidaten der Basis in Ost und West empfehlen. Womöglich noch im Februar soll es den Entwurf für das erste Grundsatzprogramm in der Geschichte der Linkspartei geben, vorgelegt wahrscheinlich noch von Lafontaine und seinem scheidenden Co-Vorsitzenden Lothar Bisky.

Und in Nordrhein-Westfalen kämpft man demnächst um den Einzug in den Landtag. In sechs westdeutschen Landesparlamenten sind die Linken bereits vertreten. Doch scheint keinesfalls ausgemacht, dass an Rhein und Ruhr der nächste Wahlerfolg gelingt.

Fein austariert nach Mann/Frau, Ost/West und Zugehörigkeiten zu innerparteilichen Strömungen und Gruppierungen ist die neue Führung. Sahra Wagenknecht, die Chefin der Kommunistischen Plattform, soll stellvertretende Parteivorsitzende werden und damit für die gesamte Partei sprechen, ausdrücklich nicht nur für die Kommunisten.

Markenkern behalten

Jetzt gehe es darum zu überzeugen, dass „wir die Richtigen sind“, betont Gesine Lötzsch. Klaus Ernst, der zu den Gründern der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit gehört, die schließlich mit der PDS zur Linkspartei fusioniert, gibt sich als Bewahrer von Lafontaines Erbe. Er sei ausdrücklich dafür, dessen Kurs beizubehalten. Man dürfe nicht wackeln, müsse den Markenkern der Linken beibehalten.

Regierungsbeteiligungen seien zwar möglich, doch müssten dabei die eigenen Positionen ins Regierungsprogramm einfließen. Man dürfe „nicht beliebig werden“, doziert Ernst, ganz in Lafontaines Duktus. Der Saarländer hatte am Wochenende bei seinem vielbeachteten Abschiedsauftritt die Meßlatte für die neue Führung hochgelegt. „15, 16 Prozent“ seien künftig drin für seine Partei, wenn man denn Kurs halte.