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Porträt über Kevin Kühnert Zwischen Hoffnungsträger und Quälgeist

Andreas Herholz Büro Berlin

Berlin - Schon seine Mitschüler prophezeiten ihm eine große politische Karriere, trauten ihm sogar das Amt des Bundeskanzlers zu. So ist es zumindest im Abibuch des Berliner Beethoven-Gymnasiums von 2008 nachzulesen. Jetzt zieht es Kevin Kühnert in den Bundestag. Im November will der 31-jährige sein Amt als Chef der Jungsozialisten vorzeitig abgeben und bewirbt sich um ein Mandat für das Parlament.

Kampfkandidatur?

Ein Neustart, ein Wechsel – Kühnert will bei der Bundestagswahl 2021 in Berlin Tempelhof-Schöneberg antreten. Ausgerechnet in dem Wahlkreis, auf den wohl auch der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller schielt, der wie Kühnert in den Bundestag möchte. Mit Anfang 30 sei es Zeit zu gehen, begründet der SPD-Mann seinen Abschied bei den Jusos. Seine Chancen in Richtung Bundestag hält er für gut. „Die bisherigen Reaktionen waren sehr wohlwollend“, erklärt er und will auch eine Kampfkandidatur gegen Landeschef Müller nicht ausschließen.

Zwischen Kühnert und Müller gebe es eine Absprache, was die Aufstellung und Platzierung auf der Landesliste angehe, wer auf Platz 1 und wer auf Platz 3 kandidiere, heißt es in SPD-Kreisen. Nur Platz 1 und 2 wären wohl sicher im nächsten Bundestag, und ein Mandat ginge sicher an eine Frau. Ende Oktober wird die Liste aufgestellt. Kühnert sieht gute Chancen auf ein Direktmandat: „Ich trete bestimmt nicht mit dem Ziel an, Zweiter oder Dritter zu werden“, betont er.

Der kurz vor dem Mauerfall in Berlin geborene und im Bezirk Lichtenrade aufgewachsene Sohn eines Finanzbeamten und einer Job-Center-Mitarbeiterin hat die Jusos wieder zu einer einflussreichen Kraft in der Partei gemacht. Schon auf dem Gymnasium habe er sich mit seiner Art, immer seine Meinung zu sagen, nicht nur Freunde gemacht, es allerdings mit einer fulminanten Rede als Zehntklässler zum Schulsprecher gebracht.

Strippenzieher

Er gilt heute für die einen als „Hoffnungsträger“ der SPD, für die anderen ist er eher der Quälgeist, der die Genossen nur noch weiter in den Abgrund führe. Ein ums andere Mal legte er sich mit der SPD-Führung an. Erfolgreich war seine Rolle als Strippenzieher bei der Wahl des neuen Parteivorsitzenden-Duos Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans per Mitgliederentscheid und schließlich auf dem Parteitag Ende des vergangenen Jahres. Hier wurde Kühnert auch zum Parteivize gewählt.

Kühnert gilt als selbst- und machtbewusster gewiefter Taktiker, strebt jetzt den nächsten Schritt seiner Karriere an. Er wolle die Juso-Positionen „ins Parlament hineinrücken“, sagt Kühnert, und für manch einen Genossen klingt dies wie eine Drohung.

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