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NWZonline.de Nachrichten Politik

Mehrheit für Trisomie-Bluttests

12.04.2019

Berlin Die Debatte läuft schon eine Stunde, als Matthias Bartke nach vorne ans Rednerpult geht. Der SPD-Abgeordnete erzählt im Plenarsaal, wie er neulich in einer Autobahnraststätte ein fröhlich spielendes Kind mit Down-Syndrom sah, wohl drei Jahre alt. „Es trug ein T-Shirt, auf dem stand: ,Wie schön, dass es mich gibt‘.“ Der Satz beschreibe genau das Problem: „Wollen wir wirklich die Umstände erleichtern, dass es künftig solche Kinder nicht mehr gibt?“

Mehr als 30 Redner melden sich am Donnerstag im Bundestag zu Wort. Es geht um die sensible Frage, wie weit man mit Gentests bei Ungeborenen gehen soll – und was die Krankenkasse zahlt.

Bartke bezieht mit mehreren anderen eine der beiden gegensätzlichen Positionen, die in der zweistündigen Debatte über die Fraktionen hinweg deutlich werden. Dabei geht es zunächst darum, ob seit 2012 erhältliche Bluttests etwa auf Trisomie 21 künftig für Versicherte kostenlos werden. Sie gelten als risikolos im Vergleich zu den seit mehr als 30 Jahren üblichen Fruchtwasseruntersuchungen, die Kassenleistung sind.

Das zuständige Gremium des Gesundheitswesens will im Sommer entscheiden, ob das so auch für Bluttests kommen soll. Aber ausdrücklich begrenzt auf Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko für Komplikationen, etwa wegen chronischer Erkrankungen der Mutter.

Solche Tests sollten Eltern in die Lage versetzen, sich früh mit einer Abtreibung zu befassen, argumentiert Bartke. Es dürfe aber „niemals Aufgabe des Staates sein, aktiv dazu beizutragen, dass Leben verhindert wird.“

Die meisten Abgeordneten beziehen dagegen eine andere Position. Sie sprechen sich dafür aus, dass die Krankenkassen künftig auch solche Bluttests bezahlen – aber begrenzt auf Risiko-Schwangerschaften.

Nach Bartke ist Katrin Helling-Plahr dran, die ihr zweites Kind erwartet. Die 33-Jährige von der FDP berichtet sachlich, aber eindringlich, wie es ihr selbst ergangen ist. Für 269 Euro habe sie mit einem Bluttest untersuchen lassen, ob bei ihrem ungeborenen Kind Trisomie vorliegen werde. Denn sie habe eine Schilddrüsenerkrankung.

Die Abgeordnete erzählt, wie ihr mit 13 ein Arzt gesagt habe, dass sie wahrscheinlich keine Kinder bekommen könne. Wie es in der ersten Schwangerschaft mehrfach Probleme gab und ein Arzt eine Fehlgeburt voraussagte. „Ich hatte das Glück, einen vollkommen gesunden Jungen zur Welt zu bringen.“ Aber zuvor habe sie immer wieder Ängste gehabt.

Gemacht habe sie den Test nicht, um abzutreiben, sagt sie. „Sondern weil Untersuchungsergebnisse den werdenden Eltern Sicherheit bieten.“ Weil sie Sorgen nehmen könnten oder es ermöglichten, sich auf Kommendes einzustellen. Bei Fruchtwasseruntersuchungen könne es aber Fehlgeburten geben. Daher sei es „unethisch, Risikoschwangere, die nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, vor die Wahl zu stellen“ – entweder mit Unsicherheit leben zu müssen oder ein Risiko einzugehen, obwohl die Information risikolos zu erlangen sei.

Auch mehrere andere Parlamentarier argumentieren, Bluttests dürften nicht vom Geldbeutel der Familie abhängen. Das sei „eine Frage der Gerechtigkeit“, sagt Sabine Dittmar (SPD).

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