BERLIN - „Ich werde stehen, auch wenn das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist“, versprach Kurt Beck. Der Parteichef trat am Sonnabend vor dem Berliner SPD-Landesparteitag auf. Neue Putschgerüchte machten die Runde: Becks Vize, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, solle neben der Kanzlerkandidatur im Herbst auch gleich den Parteivorsitz übernehmen.
Becks Total-Entmachtung werde inzwischen von der Parteirechten angestrebt, heißt es in den Medien – Spekulationen, die wieder einmal zurückgewiesen wurden. Doch dass Steinmeier in jedem Fall der Hoffnungsträger der Genossen ist, wurde ebenfalls am Sonnabend bei dessen Auftritt auf dem niedersächsischen Landesparteitag klar.
Die Geschichte vom bevorstehenden Putsch im Sommer gegen ihn sei doch „frei erfunden“, hatte sich Kurt Beck erst am Mittwoch bei seiner Sommerreise durch Rheinland-Pfalz heftig erregt. Putsch-Gerüchte verfolgen den SPD-Chef seit Februar.
Die neuen Wochenend-Gerüchte bieten wenig Handfestes: Auf Seiten der Parteirechten, bei den „Netzwerkern“ und den „Seeheimern“, würden „immer konkretere Szenarien für einen Putsch“ durchgespielt, so die Medienberichte. Es werde überlegt, ob man einen der Altvorderen, Hans-Jochen Vogel oder Erhard Eppler, gewinnen könnte, Beck zum Rücktritt zu überreden. Klaas Hübner, einer der Sprecher des „Seeheimer Kreises“, reagierte genervt: „Im Wochen-Rhythmus“ würde ein „Putsch erfunden, der nicht stattfindet“. Diesen „täglichen Scheiß“ kommentiere er nicht mehr, gab sich auch Frank-Walter Steinmeier verärgert. Von „komplettem Unsinn“ sprach er am Sonntag und sicherte Beck auch „vorbehaltlos“ Unterstützung für den Fall zu, dass dieser selbst Kanzlerkandidat
werden wolle.
Während Beck auf dem Berliner Landesparteitag anonyme Kritiker als „feige“ bezeichnete, zum Kampf mit offenem Visier aufforderte und sich für seine kämpferische Rede Applaus bei den Berliner Genossen abholte, hatte sein Vize Steinmeier beim niedersächsischen Landesparteitag ein absolutes Heimspiel mit Stehenden Ovationen.
Steinmeier als die SPD-Zukunft? Auch bei der Parteilinken scheint man sich inzwischen mit einem Kanzlerkandidaten Steinmeier arrangieren zu können. Gedankenspiele, dass der gleich zum Durchmarsch an die Parteispitze ansetzen könnte, stoßen jedoch auf Ablehnung. „Da wird Beck gebraucht“, heißt es in Kreisen der Parlamentarischen Linken – und sei es nur als Platzhalter für eine komplette personelle Neuaufstellung nach der Wahl 2009. Dabei setzt die Parteilinke auf SPD-Vize Andrea Nahles und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit als Traumduo für die Wahl 2013.
